IM SPIEGEL DER KRITIK

[Herbert Eimert] "Höchste Bewunderung wert war die Wiedergabe unter der Leitung von Hermann Schroeder (...) Es war eine musikalisch und geistig gleich bedeutende Aufführung, die von echter Hingabe und eindringendem Verständnis geleitet war, eine Aufführung auch, die den Kölner Bachverein wieder in die Reihe der überlokalen Institutionen gestellt hat." (Zur Kölner Erstaufführung von Strawinskys Messe, Kölnische Rundschau, 26.11.1949)

[Dr. H. Kirchmeyer] - "Wie üblich bei den Choraufführungen des Bach-Vereins erntete Schroeder die Frucht seiner Idee, den Verein durch jüngere Kräfte aus den Studentenkreisen der Musikhochschule aufzufrischen. Der Chor ist grundmusikalisch – keine Selbstverständlichkeit bei Sängern. Im ganzen ein großer Erfolg für alle Beteiligten.“ (Kölner Stadtanzeiger, 26. März 1957)

[ky] – "Das Orchester des Bach-Vereins unter Prof. Hermann Schroeder hat sich auf geheimnisvolle Weise verjüngt. Die Stimmen klingen beherrscht und erfüllt, die Artikulation ist unübertroffen deutlich, die Intonation sauber. Man ist zu einer Einheit zusammengewachsen und versteht sich wieder auf jene atmosphärische Ausstrahlung, die zum Wesen eines wirklich gelungenen Konzerts gehört." (Kölner Stadtanzeiger, 6. März 1958)

[E.] - "... Hermann Schroeders Bach-Interpretation bedarf neuen Rühmens nicht, sie ist klar und eindringlich, stilistisch immer verlässlich und bei aller sachkundigen Objektivität“ durchaus dem Bachschen Ausdruck, dem innerlich belebten Affetuoso zugewandt. Der klangschöne, disziplinierte Chor des Bach-Vereins bewältigte die polyphonen Chöre mit überlegenem Können. Mustergültig war die Stakkato-Leichtigkeit der madrigalisch getönten Chöre. Vorbildlich auch die Choräle, die als Volks- und Gemeindechoräle keiner ausdeutenden Nuancierung bedurften. Sie erklangen schlicht, aber auch auf der tragenden Festigkeit des Klangs, der ihnen angemessen ist." (Kölnische Rundschau, 28. März 1958)

[RK] – "Hermann Schroeder ist der vortreffliche Mentor solchen Musizierens, ein Dirigent, der höchste Objektivität der Darstellung mit der Forderung nach intensivem Ausdruck zu verbinden weiß. Er läßt, wo es wünschenswert ist, Chor und Orchester in schönster Farbe erblühen, gibt die Turbae mit äußerster Vehemenz und Präzision und gebietet bei den Volkschorälen größte Schlichtheit und Zurückhaltung. Eine Darstellung, die unserem heutigen Empfinden nach ganz dem Geiste des Thomaskantors entspricht und sich glücklich von der romantischen Tradition des vergangenen Jahrhunderts abhebt." (Zur Johannes-Passion, NRZ, 1. April 1958)

[herü] – "Hermann Schroeders klare, auch dem kleinsten äußeren Effekt betont ausweichende und auf äußerste stilistische Sicherheit sich stützende Bachaufführung ist ... hinlänglich bekannt. Sein wertvolles Schaffen gerade mit diesem Chor, dem sich das immer festere Formen annehmende Bach-Orchester angeschlossen hat, und nicht minder sein chorpädagogisches Wirken an der Musikhochschule geben hierfür klaren Beweis." (Zur Johannes-Passion, Neue Rhein Ztg., 31. März 1958)

[E.] – "Unter der genauen, bestimmten, aber auch von impulsiver Erlebniskraft durchströmten Leitung von Hermann Schroeder bot der Chor eine vorzügliche Aufführung. Es war ein durchgearbeiteter Chorklang, ganz ohne Oratorienschwere, frisch und leicht, durchsichtig und leuchtend. Fast möchte man sagen: pfingstlichen Geistes voll. Bildhaftigkeit und Fluß des Musizierens zeichneten die polyphonen Chorpartien aus." (Zum Programm Wilhelm Friedemann Bach, Motette „Heilig, heilig ist Gott“, Carl Philipp Emanuel Bach, Magnificat, Johann Sebastian Bach, Kantate „Erschallet ihr Lieder“, Kölnische Rundschau, 17. Juni 1958)

[E.] – "Im ernsten kontrapunktischen Aufbau hob Hermann Schroeder das dramatische Pathos des Werkes überaus eindringlich hervor. So kraftvoll bewegt aus innerer Leidenschaft hat man das Reqiem noch nicht gehört, das sich in Schroeders innerlich beteiligter Interpretation gewissermaßen als Synthese aus Bach und Beethoven darbot." (Zu Mozarts Requiem, Kölnische Rundschau, 17. März 1959)

[E.] – "Hermann Schroeder dirigierte lebendig und genau. Er kennt nicht nur die monumentalen Klangwirkungen, die sich bei Händel von selbst verstehen, vielmehr hat er seinen Chor auch zu einer madrigalischen Leichtigkeit des Singens erzogen, die in der feinen Tönung, in der naturhaften Farbe und Helligkeit erst den ganzen Händel erschließt." (Kölnische Rundschau, 8. November 1959)

[ky] – "Die Stärke der Bachvereinskonzerte ist von jeher der große Chor gewesen, der sich – wie man hört – vorwiegend aus Mitgliedern des Madrigalchors der Musikhochschule zusammensetzt. Der Respekt vor ihrem Lehrern und Leiter Prof. Hermann Schroeder sowie eine stimmtechnisch gesicherte natürliche Musikalität garantieren Aufführungen, die sich genau dem Klangwillen Schroeders anpassen und damit Stiltreue und Können in eine harmonische Übereinstimmung bringen." (Kölner Stadtanzeiger, 10. November 1959)

[mr] – "Stets zu bewundern bleibt, mit welcher Hellhörigkeit Hermann Schroeder sich auf die akustischen Begebenheiten des Kirchenraums einzustellen vermag. Er gab den großen Chören den plastischen Umrißund den Chorälen jenen schlichten frommen Zug, der sich in Verbindung mit den weltlichen Gelegenheitswerken entstammenden Sätzen zu froher Weihnachtsstimmung steigert." (Zum Weihnachtsoratorium, Kölnische Rundschau, 21. Dezember 1959)

[E.] – "Daß man die achtstimmige Motette „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ mit instrumentaler Unterstützung hörte – wird manchen Kenner … vermutlich überrascht haben. Denn das Werk gehört mit den andern fünf- bis achtstimmigen Motetten zu den Prunkstücken unbegleiteter Chormusik…. Mit oder ohne Instrumente, das ist hier die historisch-stilistische Frage. Und nicht etwa die Frage der bequemeren Aufführung in „erleichterter“ Fassung … Hermann Schroeder, der klar gestaltende, von subjektiver Willkür freie Dirigent, kann gute historische Gründe für die instrumentalbegleitete Motette ins Feld führen…. Soviel ist jedenfalls sicher, daß vom chorischen Detail der Stimmführung nichts verlorengeht." (Kölnische Rundschau, 21. November 1960)

[E.] - "Mit großer Umsicht und hohem künstlerischem Verantwortungsbewußtsein hat Hermann Schroeder fünfzehn Jahre lang an der Spitze des Kölner Bach-Vereins gestanden. In den schwierigen ersten Nachkriegsjahren hat er den Chor des Bach-Vereins wieder aufgebaut und zu einer disziplinierten Vokalgemeinschaft herangebildet. Das Ziel, dem Chor ein gleichwertiges Orchester zur Seite zu stellen, erreichte er mit der späteren Gründung des Kölner Bach-Orchesters.
Daß der Kölner Bach-Verein wieder zu einem wesentlichen und nicht mehr wegdenkbaren Bestandteil des Kölner Musiklebens geworden ist, darf als das Hauptverdienst von Schroeders langjährigem Wirken verbucht werden. Unvergessen bleiben vor allem seine großen stilvollen Passions-, Oratorien- und Kantatenaufführungen in der Klettenberger Kirche St. Bruno." (Kölnische Rundschau, 21. März 1962)




Hermann Schroeder
Aufführungschronik