PRESSE-ECHO
"Intime Begegnung mit dem Komponisten Hugo Wolf"

Matinee mit dem Bach-Verein und herausragenden Solisten zum 150. Geburtstag

[Marianne Kierspel] - Musikfreunde feiern in diesem Jahr den 200. Geburtstag von Chopin und Schumann sowie den 150. von Gustav Mahler und Hugo Wolf. Letzterer, der fast nur Kunstlieder und damit ein Genre für Kenner gescahffen hat, bleibt sehr im Schatten, befand Thomas Neuhoff. Dem sollte die vielfarbige und unterhaltsame Matinee des Bach-Vereins im Alten Pfandhaus abhelfen. Sie machte bekannt mit Musik und Briefen des Wiener Komponisten und Kritikers Wolf (1860-1903). Sie stellte den genialen Spätromantiker vor, und eine schwierige Persönlichkeit. Neuhoff hatte seinen hoch musikalischen und bestens präparierten Bach-Chor Köln dabei, gute Köln-Bonner Solisten und drei Mädchen, die als Drei Könige entzückten. So hörte man jetzt auch einmal Auszüge aus Wolfs Bühnenwerk, ein Lied aus der nur mäßig beliebten Oper "Der Corregidor", einen nach Wagner klingenden Chor aus dem Fragment "Manuel Venegas", das Elfenlied aus einer geplanten Shakespeare-Oper. Ein Beispiel für Wolfs Instrumentalmusik gab das "Ensemble van Beethoven" mit der springlebendigen Italienischen Serenade. Ludwig Egener las aus Wolfs Briefen krasse Fieberkurven heraus, Jubel und Verzweiflung, Selbstüberschätzung und Selbsthass, Ironie und Sarkasmus. Die Texte schärften das Ohr für die Musik.

Im Zentrum stand natürlich Wolfs größter Schatz, die Lieder. Vorzügliche Solisten aus Neuhoffs Köln-Bonner Chören, etwa Susanne König, Sabine Müller, Frederik Montag, boten etliche der schönsten Mörike- und Goethelieder, Geistliches aus dem "Spanischen Liederbuch", einen temperamentvollen Geschlechterstreit aus dem "Italienischen Liederbuch", einen der düsteren Michelangelo-Gesänge. Neuhoff begleitete sie alle rücksichtsvoll am Flügel. Dabei spielte der Chorleiter Wolfs höchst anspruchsvolle Klaviersätze so virtuos, farbig und delikat, als wäre Liedbegleitung sein Hauptberuf. Das gehaltvolle und spannende Komponistenporträt brachte Hugo Wolf nahe, aber auch seine Zeit, etwa die Kämpfe zwischen Brahms-Anhängern und Wagnerianern, zu denen Wolf selbst gehörte. Das Konzert zu Wolfs 150. Geburtstag hätte sehr gut in die Philharmonie gepasst. Aber im Alten Pfandhaus war es ein völlig anderes Erlebnis, intimer, direkter. Da saß man ganz nah bei den Streichern und Sängern, und beim Bach-Chor saß man quasi mitten in dem vollen samtigen Klang. [Erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 29. April 2010]




Hugo Wolf - ein Komponistenporträt