PRESSE-ECHO KÖLN
"Halleluja unter dem Regenbogen"

"Noah und die Flut": Gelungenes Schülerprojekt des Bach-Vereins

[Olaf Weiden] - Das breite Schiff der Lutherkirche in der Südstadt drohte bei Flut zu sinken. 150 beteiligte junge Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Familien zum Kirchenbesuch animiert, um die Kirchenoper "Noah und die Flut" von Benjamin Britten zu besuchen. Nun war dieses Konzert nur der Abschluss einer Aktion des Bach-Vereins, der auch mit diesem Schülerprojekt im Zusammenwirken mit Schulen und Musikschulen der Region sein 75-jähriges Dasein in Köln feiert: Höchst erfolgreich, das war nicht zu übersehen und zu überhören.

Zu sehen gab es die witzig und liebevoll gestalteten Tierpärchen (Masken: Kunstkurse verschiedener Schulen), die alle auf die Arche gerettet werden mussten. Sehr viele Vögel saßen brütend auf den Kinderköpfen, dem Elefantenpaar ragten sehr lange Rüssel vorweg, Giraffen reckten die Hälse in die Luft. Die Flut kam brodelnd aus den Blockflöten von zahllosen Spielern, die jüngsten gerade vier Jahre alt, die mit Trillern die Wasser wirbeln ließen. Stimmsolisten aus dem Kinderchor der Lukaskirche Bonn kommentierten das Geschehen, das sich um Noah (Bariton Erik Sohn) und seine Frau (Mezzo Ilse Hirschner) drehte: Fahr du auf Segeltour, die Mutter, die bleibt stur!
Da half auch das Betteln der eigenen Kinder nichts, Mama wollte das Haus und ihre Schnapsflasche hüten. Natürlich kam es später zum Halleluja unter dem Regenbogen, eine süße Taube wurde ausgeschickt und brachte den ersehnten Zweig. Ein Schlusskanon mit Beteiligung der Gemeinde leitete den Jubel des Publikums ein.

Thomas Neuhoff leitete sehr souverän und kindertauglich sein Riesen-Ensemble (Kammerorchester des Bach-Vereins, verschiedene Ensembles der Rheinischen Musikschule, die Pianisten James Maddox und Kate de Marten usw.) und hielt seine Spieler in der nicht anspruchslosen Partitur Brittens zusammen. Dass die Orgel mindestens ein Halbton von der Orchesterstimmung trennte, ließ nur die Ohren der Luchse schlackern. Das war eine tolle Aktion, die allseits Begeisterung entfachte und nach Wiederholung strebt. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 17.06.06]



"So eng wie in Noahs Arche"

Jugendprojekt des Bach-Vereins - Ein tolles Erlebnis, für Mitwirkende wie Publikum

Kinderchöre von Porz bis Kerpen beteiligten sich an der Aufführung von Brittens Kirchenoper "Noah und die Flut"

[Marianne Kierspel] - Allein das Orchester füllte ein Viertel der Lutherkirche. Dazu drängten 70 Tiere, Elefanten, Gänse, Mäuse auf die Bühne am Altar. Ihre fantastischen Masken haben Schüler der Region gestaltet, für Benjamin Brittens Kirchenoper "Noah und die Flut" (1957). Hier spielten erfahrene neben jungen Instrumentalisten. Der englische Komponist, der auch im Kölner Opernhaus schon oft auf dem Spielplan stand, fordert mit "Noah" all ehraus, Anfänger und Profis. Dabei ist die Musik mit ihren Elementen aus alten Kirchengesängen und gemäßigt moderner Tonsprache anspruchsvoll und keineswegs kindertümelnd.

So sangen jetzt gut vorbereitete Kinderchöre, von Kerpen bis Porz, neben gewieften Choristen des Kölner Bach-Vereins. Und alle ließen sich anregen von den Opernsängern Erik Sohn und Ilse Hirschner, die den gottesfürchtigen Noah und seine lebenslustige Frau verkörperten. Unsichtbar - von der Empore herab - erschreckte die zornige Stimme Gottes (Ludwig Egener). Gut passte die einfache und mobile Ausstattung von Hans Werner Meurer und Heike Heinen. Hat doch das große Ensemble die Oper zuvor schon in Kerpen gespielt. Britten muss gewusst haben, wie ein solcher gemeinsamer Auftritt begeistern kann, übrigens nicht nur die Anfänger, auch die Profis. Jetzt spielten Musikschüler aus Köln und Umgebung so lebendig wie es ihnen möglich war, Streicher, Blockflötisten, Trompeter, Schlagzeuger, darunter hörenswerte junge Solisten. Auch imponierte die Windmaschine, sie regte die Fantasie an, zumal bei vielen Kindern im Parkett. Erzählt doch die Oper von der Sintflut, der größten Naturkatastrophe aller Zeiten. Und davon, wie der zornige Gott sich mit den Menschen wieder versöhnt.

Zu bewundern war, wie sicher der Leiter Thomas Neuhoff sein riesiges kunterbuntes Ensemble über die ganze Strecke einer knappen Stunde zusammenhielt, wie klar er Zeichen gab und zu hellwachen Reaktionen anfeuerte. Ein tolles Erlebnis, für Mitwirkende wie Publikum. Dass die Lutherkirche bei der immerhin zweiten Aufführung schon lange vor Beginn überfüllt war, kommentierte Neuhoff mit Humor: "So eng war es einst auch in Noahs Arche. Da musste man froh sein, wenn man noch ein Plätzchen bekam." Froh sein mussten auch die jungen Menschen, die bei "Noah" mitspielen durften. Dieses neue Jugendprojekt des Kölner Bach-Vereins ist auf so große Resonanz gesoßen, dass der Dirigent eine Fortsetzung versprach. Die vielen Kinder und Eltern in der Kirche sind Zeugen. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 20.06.2006]




Presse-Vorankündigungen Köln