PRESSE-VORANKÜNDIGUNGEN KÖLN
Die Kleinen machen große Oper

Kinder führen mit Profis und erfahrenen Chorsängern des Bach-Vereins Benjamin Brittens "Noah und die Flut" auf

[Marianne Kierspel] - Sturm pfeift, Regen prasselt auf das Glasdach des Probenraums. Das hilft der Fantasie auf die Sprünge. Denn drinnen, im "Glashaus" der Rheinischen Musikschule, sollen Kinder auf Geigen, Bratschen, Celli und Blockflöten die Sintflut aus Benjamin Brittens Oper "Noah und die Flut" (1958) ausmalen. Diese Oper, erklärt der britische Komponist in seinem sensiblen Vorwort, basiert auf einem alten Mirakelspiel, das Laien aufgeführt haben. Da brauchen Anfänger ebenso wichtige Aufgaben wie Berufsmusiker. Und je meir Kinder als Tiere die Arche Noahs bevölkern - desto besser. Da können auch Kunstklassen mitwirken und allerlei Tiermasken herstellen.
Die Probe zeigt, wie gut Britten wusste, was Anfänger leisten können und was nicht. Schon deshalb ist sein Meisterwerk eine Rarität. Wie geschaffen für das Jugendprojekt des Kölner Bach-Vereins zu seinem 75. Geburtstag. Der erfahrene Chor mit Profi-Orchester gibt Anfängern die Chance, große Oper zu spielen. Der Leiter Thomas Neuhoff nimmt zuerst die Streicher allein dran. Die Jüngsten sind zehn, elf Jahre alt. Noch stimmt ihrer Lehrerin Freya Gladbach viele Saiten. Zwar hat jeder schon lange geübt, allein und in Gruppen. Jetzt aber spielen viele zum ersten Mal unter einem Dirigenten.

"Sonst stolpern die Tiere"
"Die Tiere", sagt Neuhoff, "müssen auswendig singen. Ihr habt immerhin Noten. Das Tempo muss stehen, sonst stolpern die Tiere." Wichtig sind die Pausen, betont er und überhört zuerst noch die grauen Töne: "Nichts darf in die Pausen tropfen. Schaut auf Laura!" Wie aber soll man die Konzertmeisterin im Auge behalten, die Noten und den Dirigenten? Das will geübt sein. Und dann die Feinheiten. Wie spielt man Hagel so, dass er fürchterlich prasselt? Wie lässt man Ratten und Mäuse quieken? Und wie klingt überhaupt die eigene Stimme in der Großbesetzung mit Chor, Kinderchor, Solosängern, Schlagzeug und Klavieren?
Das deutet Neuhoff bei der Probe an, er markiert Stimmen von Gott und Noah, Choralpassagen, das "Kyrie" der verängstigten Kreatur. Als die rettende Arche endlich gezimmert ist, signalisieren Trompeter jeder Tiergruppe, wann sie eintreten darf. Die erste Trompetenstimme ist "sauschwer", gibt Neuhoff zu.
Aber einer der Bläser hat die Oper schon in Bonn mitgespielt, seine Erfahrung färbt ab. Geduldig wartende Eltern organisieren noch einen Mitfahrdienst für die nächste Probe. Präsentiert doch der Bach-Verein die Oper diesmal mit Schülern aus Köln, Porz, Sechtem, Hürth, Kerpen, Engelskirchen ...
Wie schwierig es ist, ein so aufwändiges Projekt zu planen, weiß die Geigenlehrerin: "Heute haben schon Kinder unglaublich viele Termine. Ihnen bleibt kaum noch Zeit." Noch bekommt Neuhoff immer mehr Anfragen. Er plant schon die nächste Route zur Arche. Zuerst aber spielt das jetzige Ensemble Brittens Oper - am 13. Juni in der Europaschule Kerpen und am 15. Juni in der Lutherkirche Köln-Süd. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 30.05.2006]




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