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Robert Schumanns Faust-Szenen in Köln Thomas Neuhoff leitete eine eindrucksvolle Aufführung des Werks
[Markus Schwering] - Schumanns "Faust-Szenen" wurden zwar komplett erstmals 1862 im Gürzenich aufgeführt, aber dass dies die Präsenz des Werkes im Kölner Konzertleben gefördert hätte, lässt sich nicht behaupten. Höchste Zeit also für einen neuerlichen Anlauf, den jetzt Thomas Neuhoff in der Philharmonie unternahm - mit dem Chor des Bachvereins, dem Bonner Philharmonischen Chor, dem Kinderchor der Bonner Lukaskirche, der auf Originalinstrumenten spielenden "Neuen Düsseldorfer Hofmusik" und zahlreichen Solisten.
Enormer Aufwand Die Aufzählung sagt freilich auch, warum diese ausgewählten Szenen aus Goethes "Faust" so selten aufgeführt werden: Der Aufwand sprengt die Maße eines "normalen" Chorkonzerts, und die Frage, ob der Zuhörer auch anbeißt, ist berechtigt. Schließlich ist die Musik auf Anhieb nicht sehr marktgängig. Das Werk ist keine Oper, keine Kantate, kein Oratorium, hat aber von allem etwas. Wer schöne Arien erwartet, kommt nur begrenzt zu seinem Glück, denn der Vokalstil nähert sich dem Rezitativ. Insgesamt ist die Tönung lyrisch, obwohl es, etwa in der Szene im Dom, nicht an dramatischen Beklemmungen fehlt.
Angesichts dieser Werkprobleme ist Neuhoff und seiner Armada, die ganz auf die Verdeutlichung der poetischen Klangbilder setzten, eine gelungene bis höchst eindrucksvolle Leistung zu bescheinigen. Die vereinigten beiden Chöre - rund 150 Sänger - waren das Rückgrat der Aufführung, und das wurde bereits in der Domszene deutlich: Julia Borcherts Gretchen mit angenehmem, in der Mittellage etwas unterbelichtetem Sopran, Gerhard Zeppenfelds böser Geist mit wohltönendem Bass - schön und gut, aber eine gequälte Seele und ihr zynischer Peiniger hören sich etwas anders an. Wenn dann aber das chorische "Dies irae" mit kontrollierter Gewalt hereinbricht, weiß der Hörer, was die Stunde geschlagen hat. Ein fülliger und zugleich differenzierter Chorklang, mit sattem Griff auch der Sopran-Spitzentöne, Transparenz in den polyphonen Partien, gute Intonation und Textverständlichkeit - der Chorerzieher Neuhoff fuhr reiche Ernte ein.
Unter den allesamt mit mehreren Partien beschäftigten Solisten ragten der hell timbrierte lyrische Bariton Thomas Mohrs (Faust u.a.) und der Tenor Jörg Dürmüller mit einem sich wunderbar in die Stimmung fügenden Ariel heraus, vor allem aber die Sopranistin Ingrid Schmithüsen, die der "Sorge" jene Prägnanz mitgab, die man anderen "Rollen" auch gewünscht hätte. Vor- und Nachteile "historischer" Aufführungspraxis bei Schumann wären ideologiefrei zu erörtern. Die "Hofmusik" machte die Partitur sehr durchhörbar und ließ es nicht an schönen Details fehlen. Aber der Klang kam auch selten zur Ruhe, wirkte wenig integriert. Und müssen die Hörner Ohrfeigen verteilen, während die Holzbläser im selben Augenblick kaum zu hören sind ? [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 24.05.2004]
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[Curt J. Diederichs] - "Dieses Werk wird noch einmal seinen Platz neben den größten Werken überhaupt einnehmen". Gemeint waren Robert Schumanns Szenen aus Goethes Faust. Aber da irrte Clara Schumann, als sie das nach der Uraufführung 1862 im Kölner Gürzenich (unter Ferdinand Hiller) prophezeite. Da diese Szenenauswahl weder Oper noch Schauspiel-Musik oder Oratorium war, fand sie in der Folgezeit kaum Beachtung. Dem Kölner Bach-Verein und seinem rührigen Dirigenten Thomas Neuhoff ist es zu danken, dass diese einzige textgetreue Teilvertonung des Faust-Dramas der Vergessenheit entrissen wurde und eine sorgsam vorbereitete Wiederaufführung in der Kölner Philharmonie fand.
Den Romantiker Schumann interessierte weniger das auch von anderen Komponisten vertonte Gretchen-Drama (Faust I. Teil), als die philosophisch befrachtete Poesie von Faust II, insbesondere die Szenen um Fausts Tod und seine finale Verklärung. Aus dem 1. Teil hat er nur die Gartenszene Faust/Gretchen, "Ach neige, du Schmerzensreiche" und die Szene im Dom übernommen. Darin ist zwar eine gewisse Dramaturgie zu erkennen, aber das Werk bleibt ein Fragment, das einzig von der kongenialen Überhöhung durch die Musik lebt.
Thomas Neuhoff war sich bewusst, dass die Wiederaufführung ein Wagnis darstellt. Aber er fand in den Chören des Bach-Vereins und dem Philharmonischen Chor der Stadt Bonn, der auf historischen Instrumenten spielenden Düsseldorfer Hofmusik und den Gesangssolisten engagierte Mitstreiter. Hinzu kam noch der Kinderchor der Bonner Lukaskirche. Aus dem Solisten-Ensemble taten sich Thomas Mohr als Faust und später Pater Seraphicus, der Bassist Georg Zeppenfeld (Mephisto, Pater Profundus), der Tenor Georg Dürmüller und die beiden Sopranistinnen Julia Borchert (Gretchen) und Ingrid Schmidthüsen hervor. Wenn auch bisweilen der letzte Schliff fehlte, sie fühlten sich gut in die unbekannte Materie ein. Gleiches gilt auch für die Chöre, die diszipliniert und mit hoher Stimmkultur sangen. Die Düsseldorfer Hofmusik erwies sich als Schumann-taugliches Orchester. Und Thomas Neuhoff steuerte das Riesenensemble souverän.
Insgesamt also eine geglückte, mit viel Beifall bedachte Zweitpremiere eines Werks, das die Wiederaufführung lohnt. Man wünscht ihm eine Renaissance im Konzertrepertoire. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 25.05.2004]
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Schumanns "Faust" in der Philharmonie
[Christoph Zimmermann] - Ganz ohne Faust ging in deutscher Kunst die Chose nicht. So schrieb Robert Schumann "Szenen aus Goethes 'Faust'? Viele Äußerungen von Selbstzweifel ehren den Komponisten. Dirigent Thomas Neuhoff hatte wohl vorrangig die musikalischen Qualitäten Schumanns im Sinn, als er die "Szenen" für eine Aufführung auserkor, die gewissermaßen als Köln/Bonner Kooperation anzusehen sind. Immerhin ist er seit einiger Zeit künstlerischer Leiter auch des Kölner Bach-Vereins und dessen Chor.
Mit zwei Solisten - Thomas Mohr und Georg Zeppenfeld - erinnerte er aber an Verhältnisse der jüngeren Bonner Vergangenheit, zu der auch seine bis 2002 exclusive Leitung des Philharmonischen Chores gehörte. Als Orchester stand ihm jetzt die Neue Düsseldorfer Hofmusik zur Verfügung, mit historischen Instrumenten zwar vorrangig dem Barock zugetan, aber doch offen für Grenzüberschreitungen. Schumanns Faust-Szenen setzen den Bildungsbürger voraus. Der Text stammt zwar komplett von Goethe, aber Schumann hat ihn radikal fragmentarisiert. Schon im zweiten Teil führt Luftgeist Ariel in höhere Sphären, ist Faust dem Irdischen entwachsen, auf dem Weg zu Tod und Verklärung.
Thomas Mohr, der einmal an der Kölner Oper pikanterweise den Spohrschen Faust verkörpert hat, sang bei Schumann mit seinem tenoral aufgehellten Bariton ausgesprochen wohltönend und mit mustergültiger Textverständlichkeit. Den Mephisto umriss Georg Zeppenfeld bassprofund und dosierte Dämonie mit Eleganz. Tenor Jörg Dürmüller entledigte sich seiner Partien ebenso gut wie die Damen Julia Borchert und Ingrid Schmithüsen. Zu ergänzen sind noch die angenehmen Leistungen von Ursula Eittinger, Claudia Darius und des Kinderchores der Bonner Lukaskirche. Eine beflügelnde Aufführung! [erschienen in: Bonner General-Anzeiger, 25.05.2004]
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Die äußerst seltene Gelegenheit, die "Szenen aus Goethes Faust" von Schumann einmal im Konzertsaal zu erleben, boten die vereinten Kräfte des Bach-Vereins Köln und des Philharmonischen Chores Bonn zusammen mit der Düsseldorfer Hofmusik, die auf historischen Instrumenten einem authentischen Klangideal nachspürte, was in der Kölner Philharmonie gerade noch machbar erschien, steht doch der seidige, weniger voluminöse Klang von einst in Gefahr, von den Chormassen zu sehr übertönt zu werden. Doch da hielt auch Dirigent Thomas Neuhoff die Zügel fest in seiner Hand, um die Deutlichkeit nirgends leiden zu lassen, und so wurde es, auch dank des Einsatzes so vorzüglicher Solisten wie etwa Julia Borchert, Ingrid Schmithüsen, Thomas Mohr und Georg Zeppenfeld, zu einem wahren Triumph, der den von Neuhoffs Aufführung desselben Werkes vor vier Jahren in Bonn noch deutlich übertraf. [erschienen in: Köln-Bonner Musikkalender, Nr. 190, August-September 2004, S. 34f.]
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Schumanns "Faust" Presse-Info
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