PRESSE-ECHO
"Bachs prächtiges Patchwork"

Philharmonie: Der Bach-Verein präsentierte unter Thomas Neuhoff vor vollem Haus das "Weihnachtsoratorium"
[Matthias Corvin] - Nun ist die Zeit des "Weihnachtsoratoriums" wieder angebrochen: Den Anfang machte in der fast ausverkauften Philharmonie der Bach-Verein mit den Kantaten 1 bis 3. Orientiert an der historischen Aufführungspraxis gelang ein ausgedünnter, jugendlicher Bach. Den knapp 60 Sänger starken Chor begleitete die kleine, auf Originalinstrumenten spielende Johann Christian Bach-Akademie.

Thomas Neuhoff startete mit einem rasanten Eingangschor. Das klang frisch und frohlockend, auch wenn einiges etwas verhetzt schien. Die intensive Probenarbeit zeigte sich jedoch im abgerundeten Klang und in der Virtuosität der großen Chorsätze. Namentlich den sauberen Sopranstimmen gebührt ein Extralob, etwa für ihren Auftritt im Choral "Er ist auf Erden kommen arm". Von den Solisten überzeugten am meisten Andreas Post (Tenor) und Klaus Mertens (Bass). Post gab den Evangelisten sowie die "Frohe Hirten-Arie" mit hell timbriertem Wohlklang. Mertens äußerte sich mit sonorer Autorität. Allison Browner hatte am Anfang noch einige Intonationsprobleme, steigerte sich jedoch bis zur Arie "Schließe mein Herze" enorm. Zu eng leider der Sopran von Christine Wolff, die sich allerdings an der Seite von Mertens im Duett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen" schön einbrachte.

Das Orchester folgte konzentriert Neuhoffs entschlackter Interpretation. Mitunter steckte die Tücke im alten Instrumentarium (Trompeten). Die "Sinfonia" der zweiten Kantate war gut gegliedert, wenn auch nicht mit letztem Schliff musiziert. Souverän die von Ingeborg Scheerer angeleiteten Streicher. Nach eineinhalb Stunden ohne Pause schloss eine anregende Wiedergabe des Weihnachts-Klassikers.

Erwähnung verdient der kurzweilige Programmhefttext der Chor-Sopranistin Annett Reischert-Bruckmann. Darin wird Bachs "Prächtiges Patchwork" im Oratorium geschildert.
[erschienen in: Kölner Rundschau, 02.12.2003]



"Fröhlich und behaglich"

Der Kölner Bach-Verein bot ein Konzert mit dem Weihnachtsoratorium
[Hans Elmar Bach] - Auch das halbe Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist mit seinen ersten drei Kantaten ein vollkommenes geistliches Werk. Denn es beinhaltet die zentrale Evangelienbotschaft von Christi Geburt. Mit dem Bach-Vereins-Chor, den Solostimmen von Christine Wolf (Sopran), Alison Browner (Alt), Andreas Post (Tenor) und Klaus Mertens (Bass) und der Johann-Christian-Bach-Akademie gelang dem Dirigenten Thomas Neuhoff eine wahre musikalische Frohbotschaft: eine schlichte, dabei klangschöne "Erzählung" und Betrachtung der Geschehnisse.
Erbauung der Besucher
Takt für Takt war zu erspüren, dass die Kantaten ursprünglich dem Schmuck der Weihnachtsgottesdienste und der Erbauung ihrer Besucher und nicht dem Konzertsaal zu dienen hatten. Und das machte die Begegnung mit Bachs populärem, abnutzungsgefährdeten Werk zum sympathischen Ereignis am ersten Advent. Das homogene Solistenquartett und der ausgeglichene, gelöst und ohne jede Spur von Forcierung deklamierende Chor sowie die versierten Instrumentalisten taten das Ihrige, Neuhoffs Konzept zu verdeutlichen.
Als professioneller Kirchenmusiker setzt er seinen Ehrgeiz daran, ein solches Werk nur aus und in dem Geist seines Schöpfers zum Klingen zu bringen und nicht nach individuellen Pointen oder der neuesten Sicht auf die Partitur zu jagen. So durfte man sich einer Aufführung erfreuen, die im rechten Sinn so fröhlich wie behaglich, so ernst wie besinnlich und in der technischen Realisation untadelig ausfiel.
[erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 02.12.2003]




"Weihnachtsoratorium"