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[Wei] - Zum zweiten Kölner Chorkonzert hatten der Chor des Kölner Bach-Vereins und sein Dirigent Winfried Toll das Orchester Camerata Freiburg eingeladen, um mit ihm das Requiem c-Moll von Luigi Cherubini aufzuführen. Haydns "Trauer-Sinfonie" diente als Ouvertüre für den mächtigen chorlastigen Trauergesang. Dabei ist diese Sinfonie gar nicht so traurig, am Anfang sogar hochdramatisch. Toll mobilisierte alle morgendlich verfügbaren Kräfte des Orchesters, das der barocken Aufführungspraxis verpflichtet ist. Dramatisch war allerdings auch die Intonation des Klangkörpers, und diese spitzte sich im Laufe des Konzertes zu. Da hätten die Freiburger ruhig häufiger nachstimmen dürfen. Im Adagio der Sinfonie war die mögliche Liebenswürdigkeit alter Instrumente angedeutet, aber die Angst um Holz und Horn überwog auch im Finale: eine aufregende Sinfonie für den aufmerksamen Zuhörer. Cherubini ist ein vergessener gefeierter Opernkomponist, der aber auch in der Musica Sacra einiges hinterlassen hat. Beethoven war ein großer Fan Cherubinis, er schätzte besonders dieses Requiem, das sich mit tiefen Streichern und Fagotten aus Grabestiefe erhebt. Erst mit dem "Dies irae" geht das Stück richtig los und entpuppt sich als meisterliche Chorkomposition. Pauken und Trompeten künden den Tag des jüngsten Gerichts, und auch ein mächtiger, in dieser Aufführung leider verunglückter Tamtam-Schlag ertönt, nur an dieser einen Stelle. Das spricht für den klugen Disponenten Cherubini, der auf Solisten verzichtet. Die Chorstimmen werden solistisch ausgeführt, wechseln sich ab. Beim "Confutatis" meisterte der Chor die schwierigen Einsätze. Im Offertorium hüpfte das Orchester nach Textanleitung lautmalerisch in die Hölle, und im Agnus Dei brannte das Ewige Licht auf einem Ton endlos flackernd letztlich ab. Das Werk war bunt in aller Demut, der Komponist verstand sein Handwerk. Das gilt auch für Winfried Toll, der seinem Chor die Betonungen aus den Mündern zieht, die Einsätze mit der flachen Hand den Stimmen anreicht oder sie heraushebt. Der Chor des Bach-Vereins hatte das Stück gut präsent, die Stimmen klangen sehr ausgewogen, meist auch angenehm, wenn die Bässe nicht gerade im Luftkampf fielen (Sanctus). Die Besucher in der gut gefüllten Philharmonie applaudierten lautstark der Musik und den Interpreten. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 3.11.1998]
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[Hans Elmar Bach] - Eine Sonntagsmatinee veranstaltete der Kölner Bach-Verein mit seinem Chor und der Camerata unter Winfried Toll in der Philharmonie. Haydns Sinfonie Nr. 44 ("Trauersinfonie") und das c-Moll-Requiem von Luigi Cherubini ohne Pause gekoppelt ergaben eine Idealdauer von rund neunzig Minuten eines dichten und intensiven musikalischen Ereignisses. ... Das "Requiem" stellt naturgemäß den Chor in den Mittelpunkt, ein Umstand, der die "Camerata" hin und wieder dazu verleitete, in der Begleitfunktion nicht in jedem Moment ihre Aufgabe auf dem denkbar höchsten Niveau wahrzunehmen, das man bei Haydn erreichte. Vermutlich hat man mit der klassischen Sinfonie auch schon mehr Aufführungserfahrung gemacht als mit des Italieners Messe. In der Auswahl dieses Werks für seinen Chor bewies Toll Augenmaß, indem er die rund sechzig Stimmen im Prinzip nie überforderte mit einer Partitur, die zu hohe Ansprüche an gut funktionierende Laienchöre stellen würde. So wurden die Damen und Herren des Bach-Verein-Chors den vergleichsweise enggezogenen Grenzen der Technik und des Ausdrucks auf solide Weise gerecht und erreichten zumal in der "Quam olim"-Fuge professionelles Niveau, während in Einzelheiten eine noch präzisere Intonation, eine plastischere Klangstaffelung denkbar gewesen wären. Wünschenswert wäre es, wenn sich um den Kern der erfahrenen Choristinnen und Choristen zur Auffrischung noch etliche jüngere Stimmen gesellten, und wenn man sich über die rein musikalische Seite hinaus bei lateinischen Texten einer konsequenten Aussprache, entweder (romanisch-)italienisch oder in deutscher Manier befleißigen könnte. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 4.11.1998]
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