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[Volker Fries] - Händels "Messias" darf nicht nur als Weihnachtsoratorium gelten (wie allgemein üblich), sondern legt stärker noch den Akzent auf Leidensgeschichte und Erlösungsidee. Dies stellte Winfried Toll nun mit seinem Kölner Bach-Verein in der Philharmonie eindrucksvoll zur Diskussion. Toll präsentierte Händels von späteren Einschüben "bereinigte" Urfassung, also selbstverständlich (gottlob) in englischer Sprache. Als Garant für Stiltreue fungierte vor allem die Camerata Freiburg, eine kundige Schar auf barockem Instrumentarium, die mit unermüdlicher Konzentration bis ins feinste ornamentale Detail hinein allen Intentionen des Dirigenten folgte. So wurde der Orchesterpart ungemein plastisch, das "Feuer eines Goldschmieds" etwa während der ersten Alt-Arie knisterte nur so vor heller Streicherspannung. Sängerisch bot sich ein eher traditionelles Bild: Knapp 70 Chormitglieder und das übliche Solistenquartett. Händel hatte bei der Uraufführung am 13. April 1742 in Dublin nur 16 Sänger beiderlei Geschlechts zur Verfügung, die zum Teil auch Soloaufgaben übernahmen, die Soprane waren Knaben. Auch in späteren Jahren besetzte er die "weiblichen" Solopartien am liebsten mit Countertenor und Altus. Doch wen kümmert es, wenn man heutzutage Kräfte wie die Sopranistin Heidrun Kordes und die Altistin Claudia Schubert zur Verfügung hat? Beide wanderten an der Ideallinie zwischen angemessenem Expressivo und emotionaler Begrenzung entlang, die Klarheit der Deklamation vertrug sich ausgezeichnet mit einem hohen Maß an Wärme in Timbre und Ausdruck. Markus Schäfer warf wieder seinen ganzen Tenorschmelz in die Waagschale; so war es durchaus kein Manko, dass Raimund Nolte in der Baritonpartie eher mit dezenter Volumenschlankheit "ausglich". Profitierten schon die Solisten von Winfried Tolls hellwacher Einfühlung, so galt dies in besonderem Maße für den Chor, der sich unter den Flügeln seines Leiters aufgehoben fühlen konnte wie in Abrahams Schoß. Von Anfang bis Ende ein gemeinsames Atmen, blitzsaubere Intonation und federleichte Bewegung gelockerter Stimmen. Die beispielhafte Transparenz des berühmten "Halleluja" setzte vielen anderen gelungenen Passagen noch die Krone auf. Jubel ist eben keine Frage der Lautstärke, sondern des Herzens. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 24.03.2000]
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[Bc] - Winfried Toll, der mit dem Chor des Kölner Bach-Vereins und der Camerata Freiburg Händels "Messias" in der Philharmonie aufführte, hatte aus seinem Chor ein kammermusikalisches Vokalinstrument geformt. Locker und geschmeidig wurden die Koloraturen, die Facetten der fugierten Partien und, ohne Forcierung, auch die homophonen Blöcke gestaltet. Jedes Pathos wurde, gerade auch in den Sätzen etwa des "Hallelujah" oder des großen Chor-Finales, vermieden zu Gunsten einer Monumentalität, die aus der kompositorischen Faktur hergeleitet war. Dies verdient besondere Symphatie. Auf gleich hohem musikalischem Niveau agierte das Orchester. Es artikulierte die vital pulsierenden Tempi des Dirigenten im schlanken Klang der alten Instrumente mit größtem Bedacht, Chor und Solisten angemessen zu stützen, ohne dabei das Eigengewicht der Partitur zu unterschlagen. Auch die Vokalsolisten waren gut gewählt. Imponierende Gemeinsamkeit verband sie: Alle vier Stimmen brillierten als exzellente Koloraturvirtuosen. Dass sie hingegen allesamt ein eher deutsch gefärbtes Englisch sangen, mag Besucher, die vielleicht von der Insel stammen, mehr gestört haben als das Kölner Publikum. Die Sopranistin Heidrun Kordes fand in der Arie "I know that my redeemer liveth" (Ich weiß, dass mein Erlöser lebet) ihr besonderes Glanzstück. Die Altistin Claudia Schubert profilierte sich durch die schöne Herbheit ihrer Stimme. Markus Schäfers biegsamer Tenor gefiel nicht zuletzt durch die stilgerechte und geschmackvolle Ornamentierung besonders in der Einleitungsarie, und der Bariton Raimund Nolte beeindruckte mit dem kernigen Timbre seiner sehr beherrscht geführten voluminösen Stimme. So konnte dieser Abend als rundum gelungenes musikalisches Ereignis gefeiert werden. Schade eigentlich nur, dass vermutlich aus Zeitgründen ein paar Sätze von Händels Oratorium gestrichen wurden. Man sollte prüfen, ob bei Werken solcher Dimension die Anfangszeit nicht um eine halbe Stunde vorverlegt werden kann. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 24.03.2000]
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[Christoph Zimmermann] - Händels Hallelujah-Chor hat immer wieder zu Monstrositäten herhalten müssen. Bei dem berühmten Händel-Festival im Londoner Chrystal Palace 1926 wurden 3000 Sänger und 500 Instrumentalisten aufgeboten. Anders die Aufführung des "Messiah" in der Philharmonie: der Kölner Bach-Verein mit rund hundert Sängern und die Camerata Freiburg in der Größe eines Kammerorchesters. Winfried Toll hielt den Klang stets schlank, gab den zügigen Tempi zusätzlichen tänzerischen Impuls mit. Er tat also alles, um von der Musik falschen Weihrauch wegzublasen. Solche Darstellung rührt natürlich aus der Beschäftigung mit historischer Aufführungspraxis her. Aber bei Toll herrscht kein Dogmatismus, sondern lebendiges, eloquentes Musizieren. Nur meidet der Dirigent eben falsche Exaltation, theatralische Effekte, sofern sie nicht zwingend vom Komponisten vorgeschrieben sind wie die Trompete à lontano beim Chor "Glory to God". In der Bass-Arie "The trumpet shall sound" warf sich Raimund Nolte, im Aussehen nota bene Samuel Ramey ähnelnd, in überzeugende sängerische Positur. In puncto dramatisch gestaltender Energie war ihm der Tenor Markus Schäfer allerdings voraus. Heidrun Kordes sang mit lichtem und doch festem Sopran von Cherubim und Seraphim, vertrat also vor allem das Sphärische. Die elegischen Parts fielen naturgemäß Claudia Schubert zu: musikalisch erfülltes, unforciertes, sattes Tiefenregister und ein gelegentlich an Kathleen Ferrier erinnerndes Timbre. Sieht man von Grenzen bei der Koloraturagilität ab, imponierte auch der Chor mit vokaler Kraft und Klangwärme. [erschienen in: Bonner General-Anzeiger, 24.03.2000]
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[Wolf-Rüdiger Spieler] - Mit einer beeindruckenden Aufführung des Messias in englischer Originalsprache von Georg Friedrich Händel gastierte der Kölner Bach-Verein in der Philharmonie. Besonders der Chor des Bach-Vereins stellte unter der hervorragenden Leitung von Winfried Toll seine neu gewachsenen, herausragenden Qualitäten unter Beweis. Vorbei scheinen die Zeiten, als der Chor am unteren Rand der Kölner "Chorliga" sang und nur selten eine wirkliche Empfehlung wert war. Entstanden ist ein Klangkörper, der zu eleganten Koloraturen und durchsichtigem, kontrapunktischem Vortrag genauso in der Lage ist wie zu dynamisch differenziertem Gesang im homophonen Bereich. Das Barock-Orchester Camerata Freiburg ... stand hinsichtlich der musikalischen Qualität dem Chor in nichts nach und überzeugte in der Beherrschung des historischen Instrumentariums. Winfried Toll fand damit für seine griffige und straffe Interpretation der - für dieses Konzert leider etwas gekürzten Händel-Partitur - ein fein gestimmtes Instrument vor. Ein uneingeschränktes Lob ist auch dem Solistenquartett auszusprechen. Heidrun Kordes, Sopran, Claudia Schubert, Alt, Markus Schäfer, Tenor und Raimund Nolte, Bass, waren bestens aufeinander abgestimmt und realisierten Händels Notentext zuverlässig und im Miteinander kollegial und uneitel. Besonderer solistischer Höhepunkt des Abends blieb jedoch die "Erlöser-Arie" für Sopran. Zwei kleine Wünsche blieben an diesem Abend offen: Zum einen hätte es sicher Freude gemacht, den ganzen, ungekürzten Messias von diesem kompetenten Ensemble zu hören, zum anderen hätte Winfried Toll bei soviel Liebe zum historischen Detail nicht an einem zusätzlichen Altus neben der Altistin Claudia Schubert sparen müssen. [erschienen in: Evangelische Kirchenzeitung "Der Weg" vom 21.05. 2000]
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G.F. Händels "Messias"
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