KONZERTE VOM 27./28.06.1992
"Präzise und mit klarer Stimme"

Chor des Kölner Bachvereins im Schloß

[Hemma Ottitsch] – Brühl. Im 4. Schloßkonzert sang der Chor des Kölner Bach-Vereins unter Christian Collum Motetten von Bach, Schütz und Mendelssohn Bartholdy. Die gedrängte Aufstellung der Mitwirkenden im Treppenhaus des Schlosses – es mußte neben dem großen Chor auch noch Platz für das zehnköpfige Musikensemble und die Solisten Johanna Peine (Sopran), Sabine Detmer (Alt), Stephan Vinke (Tenor) und Michael Gessat (Baß) geschaffen werden – bewirkte zum Teil recht unterschiedliche Höreffekte, die vor allem im ersten Teil des Abends auffielen.

Intonationssicher und dynamisch
Mit der Motette von Bach „Ich lasse dich nicht“ präsentierte sich der Chor einstimmungsgemäß gediegen. Ohne nennenswerte Höhepunkte verlief auch die Wiedergabe der Motetten von Heinrich Schütz (Psalm 100 und 103), zwar intonationssicher und dynamisch einstudiert, doch mit gelegentlichen Schwächen in den Einsätzen. Die vier Solisten aus den eigenen Reihen, nicht ganz homogen, ergänzten die eher solide Aufführung. Das Instrumentalensemble, in dem vor allem die Oboen (Helmut Hucke, Anette Spencer) und Niels Brückelmann (Oboe da caccia) (Bach, Sinfonie d aus der Kantate BWV 146/169) hervorgehoben werden müssen, erwies sich als disziplinierter Klangkörper. Bachs „Singet dem Herrn ein neues Lied“ für Holzbläser, Streicher, Generalbaß und achtstimmigem Doppelchor gestaltete Christian Collum mächtig, doch blieben auch hier Einsatzprobleme unüberhörbar.

Gelungene A-capella-Wiedergaben
Wie verwandelt präsentierte sich der Chor im zweiten Teil des Abends, der mit der Motette „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ von Mendelssohn Bartholdy begann. Offensichtlich liegen den Sängern A-cappella-Wiedergaben mehr, denn es wurde ungemein einsatzfreudig, präzise und homogen agiert. Zum Höhepunkt gestaltete sich die Wiedergabe der Hymne „Hör mein Bitten, Herr“, in der sich die Sopranistin Johanna Peine überzeugend geschmeidig und mit klarer Stimme einsetzte.



"Chöre im Stereo-Ton"

Brühler Konzert

[Curt J. Diederichs] – Brühl. „Singet dem Herrn“, „Jauchzet dem Herrn“, „Gott soll allein…“: etwas ungewohnte Töne im prunkvollen Treppenhaus eines Sommerschlosses. Aber dessen einstige Herren waren immerhin auch Erzbischöfe, und deshalb fand von Beginn an bei den Brühler Schloßkonzerten auch die geistliche Musik die ihr gebührende Berücksichtigung. Der Kölner Bach-Verein hatte für seine beiden Konzerte am Wochenende ein Programm mit ausschließlich mehrstimmigen Motetten zusammengestellt, die in dem hochgewölbten Raum eine wundervoll füllige Klangwirkung erzielten, ob nun a cappella gesungen wurde oder mit Begleitung einer kleinen Instrumentalgruppe.

Im Mittelpunkt standen Bachs drei große Motetten für achtstimmigen Doppelchor, Instrumentalbegleitung und Generalbaß, für einen Chor wohl mit das Anspruchsvollste aus der Feder des Thomaskantors. Durch die Postierung der Chöre auf den beiden seitlichen Treppenaufgängen konnte Christian Collum die von Bach beabsichtigte Stereo-Wirkung realisieren, ohne daß die kontrapunktische Verflechtung darunter litt, weil die Nachhallwerte genau einkalkuliert waren. Das Treppenhaus des Brühler Schlosses erwies sich als geradezu ideal für diese Meisterwerke virtuoser Doppelchörigkeit. Mit der gleichen Präzision und stimmlichen Ausgewogenheit sang der Chor des Bach-Vereins auch die ebenfalls doppelchörige Motette „Jauchzet dem Herrn“ von Heinrich Schütz, Mendelssohns vierstimmige A-cappella-Vertonung des gleichen Psalms, ein achtstimmiges Kyrie und Gloria sowie die Hymne „Hör mein Bitten, Herr“, ebenfalls von Mendelssohn Bartholdy. Hier übernahm die junge Sopranistin Johanna Peine mit dezent geführter und dennoch intensiver Stimme den Solopart. Bei den Schütz-Motetten erfüllten neben Johanna Peine die Altistin Sabine Detmer, der Tenor Stephan Vinke und der Bassist Michael Gessat vorzüglich ihre solistischen Aufgaben – wie das kleine Instrumentalensemble, das mit Helmut Hucke als Solisten auch in zwei Bachschen Kantaten-Sinfonien sein Können zeigte. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 29.06.1992]




Konzert vom 16.05.1992
Konzert vom 04.10.1992