KONZERTE DEZEMBER 1964
"Zweimal Weihnachtsoratorium"

Aufführungen der Marburger Kantorei und des Kölner Bach-Vereins

[Cl. R.] - ... Der Kölner Bach-Verein schickte seiner eigentlichen Aufführung des Weihnachtsoratoriums zwei Jugendkonzerte voraus. Die erfreulich große Nachfrage gewinnt erst ihre rechte Bedeutung, wenn man gesehen hat, mit welchem Eifer die Kölner Jugend, versehen mit Textbüchern, Klavierauszügen und vollständigen Partituren das Musizieren und Singen verfolgte.

Die Aufführung unter Kurt Thomas war solche gesteigerter Aufmerksamkeit wohl wert: Weit entfernt von aller historischen "Richtigkeit" gab sie Bachs Heilsverkündung in der Sprache unserer Zeit. Bewundernswert vor allem die textdeutende, klare Deklamation des Chors, die hier zu einem ergreifenden Erlebnis führte. Auch das Orchester des Bach-Vereins war um schlichten, verinnerlichten Ausdruck bemüht, doch blieben noch einige geheime Wünsche unerfüllt. Eindringlich das Solistenquartett mit Herrad Wehrung (Sopran), Hildegard Rüttgers (Alt), Helmut Kretschmar (Tenor) und Edmund Illerhaus (Baß). Alles in allem auch dies eine Aufführung, die auf packende Weise den Geist des Werks vermittelte. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 11.12.1964]



"Weihnachtsoratorium"

[S-r] - Der Bach-Verein bot das Bachsche Weihnachtsoratorium im Gürzenich. Da der große Saal eine wenig stimmenfreundliche Akustik hat, bedeutet eine chorische Aufführung stets eine Feuerprobe, in der alle Stärken, aber auch alle Schwäche unverhüllt zutrage treten. Der Chor hat nicht nur an Zahl, sondern auch an Klangvolumen zugenommen. Zwar aspirieren die Stimmen im Piano noch zu sehr, doch ist ein Wachsen des Sopranglanzes unverkennbar. Auch die exakten Tenöre hinterlassen positive Eindrücke.

Kurt Thomas, Dirigent der Aufführung, gab nicht nur die üblichen ersten drei Kantaten, sondern bezog dankenswerterweise auch die fünfte und sechste mit ein. Bei der Gesamtinterpretation fiel der gemäßigte Duktus der Tempi auf; das führte zu einer ruhig strömenden, breiten Wirkung. Größere Akzente setzte der Dirigent durch leichte Zeitraffung der Schlußchöre. Die Choräle – Streitkinder jeder Interpretation – wurden hier ganz aus dem Textbezug gestaltet, auf der Grenze zwischen objektiver und subjektiver Auslegung. Der Chor – Vertreter des „Publikums“ – sang sie (mit Recht) sitzend. Um das Orchester kümmerte sich der Dirigent nur wenig. Es musizierte trotzdem vorzüglich, wenn auch gelegentlich etwas „passierte“ (Trompeten). Unverständlich bleibt, warum Thomas keine Clarinen heranzieht.

Die Solisten: H. Wehrung (Sopran), keine sehr große Stimme, aber lyrisch, gerundet, ohne Härte; H. Rütgers (Alt), vor allen anderen hervorzuheben wegen ihrer Stimmschönheit, ihrer Gestaltung, ihrem Glanz; H. Kretschmar (Tenor), der leider stark indisponiert war, und E. Illerhaus (Baß), der mehr auf Melodie als auf Text hin sang. Von den Instrumentalisten verdienen mit Auszeichnung genannt zu werden: H. Paar (Flöte), H. Ruf (Cembalo) und E. Schamberger (Fagott). [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 15.12.1964]




Konzert vom 27./29.05.1964
Konzert vom Februar 1965