KONZERTE VOM 14./15.10.1981
"Geschwindmarsch und ruhiger Atem"

Chorkonzerte zum Jubliäum des Bach-Vereins Köln: "Matthäuspassion" und Motette

[Hans-Elmar Bach] - Köln. Im Zeichen der Chormusik seines Namenspatrons beging der Bach-Verein die zweite Hälfte seines 50-Jahr-Jubliäum. Daß die Stuttgarter Hymnuschor-Knaben unter Gerhard Wilhelm für den Chor des Bach-Vereins eine harte Konkurrenz werden könnten, stand von Anfang zu erwarten. Doch verglichen mit einigen früheren Aufführungen hielten sich die Kölner Choristinnen und Choristen in Bachs "Matthäuspassion" trotz der etwas spärlich besetzten Männerstimmen und der konsequent durchgehaltenen räumlichen Trennung von erstem und zwetiem Chor auf einem klanglich ausgeglichenen Niveau ... Reinhardts Konzept von einer ungekürzten Aufführung der Passionsmusik war dramaturgisch gesehen nicht ohne Logik. Er führte sozusagen zwischen den beiden Chören und Orchestern die szenische Regie. Dennoch blieb manches Probelm ungelöst. Zum Beispiel: Wenn schon alle Arien mit ihren da-capo-Teilen ausgesungen werden sollen, warum verpflichtet ein Dirigent dann nicht auch Solisten, die über genügend Erfahrung in der Ornamentierung verfügen, damit die Wiederholungen entsprechend ausgeführt werden können? Ein anderes Problem waren die Tempi: einschließlich einer normal bemessenen Pause "schaffte" der Dirigent die riesige Passion in der Weltrekordzeit von drei Stunden und 20 Minuten. Daß sich der Einleitungschor eher wie ein walzerselig beschwingter Aufmarsch denn als Trauerzug entwickelte, daß die große Choralbearbeitung "O Mensch, bewein dein Sünde groß" gefährlich nahe in die Zonen eines Geschwindmarsches driftete, mag aus der beabsichtigten .. Zuspitzung verständlich sein, trug aber wenig zur Verherrlichung des doch von Bach wohl gewiß intendierten Affekts des Mitleidens bei. Viele Arien standen unter dem gleichen Stern ... Sicherlich ist der Charakter einer Passion nicht der gleiche wie der Motetten. Doch sollte gerade bei dem Matthäusevangelium eine innere Ruhe das musikalische Geschehen begleiten. Die Solisten der Passion waren mit Spitzenkräften besetzt: Kurt Equiluz ist als Evangelist eine ebenso souveräne Sängerpersönlichkeit wie Barry Mc Dan als Christus. Robert Holl, ein stimmgewaltiger aber dennoch nuancierungsfähiger Darsteller der Bösewichter und der Baß-Arie ließ weniger profane Töne mit anklingen als seine - im letzten Augenblick eingesprungene Sopran-Kollegin Maria Venuti, die ein wenig Operntimbre mit einmischte. Eine imposante Altstimme besitzt auch Hanna Schwarz, wenn sie auch nicht gerade eine geborene Bach-Sängerin zu sein scheint. Im Orchester überwogen die Solo-Leistungen die des Kollektivs. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 20.10.1981]




Konzert vom 11.10.1981
Konzert vom 15.11.1981