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Bach-Verein präsentierte ein nicht so häufig gespieltes Schütz-Werk
[Sr] - Daß es außer Bachs Weihnachtsoratorium noch andere erstrangige Werke dieses Themenkreises gibt, - daran erinnerte der Kölner Bach-Verein in seinem zweiten Chorkonzert im ausverkauften Gürzenich. Die Weihnachtshistorie von Heinrich Schütz, dem „Vater der deutschen Kirchenmusik“, stand im ersten Programmteil; ein Werk, das schon in der vorbereitenden Planung viele Fragen bezüglich der Aufführungspraxis aufwirft, da die Partitur nicht fest fixiert, sondern eher ein musikalisches Erinnerungsprotokoll ist, das der nachschöpferischen Ergänzung bedarf. Rolf Reinhardt, der Dirigent des Abends, hatte eine kleine Instrumentalbesetzung gewählt, die sich in der Zusammenstellung von Streichern, Flöten, Posaunen, Trompeten und Pauke dem Werk gegenüber legitimierte und sich in der Gesamtproportionierung vorzüglich bewährte, sieht man von kleinen Unebenheiten bei Beginn des zweiten Intermediums ab. Die Instrumentalausführung, die makellosen Trompeten seien stellvertretend erwähnt, hatte hohes Niveau, die Continuospieler zeigten stilistische Erfahrung und sensible Akkuratesse.
Der Hauptanteil des Gelingens fiel dem Tenor und Evangelisten Theo Altmeyer zu. Er erfaßte ebenso natürlich wie innerlich die meditative Aktualisierung des Wortes, das Umsetzen der Klangbilder in das bewegende Rezitativwort: Rosemarie Bühler, Sopran, profilierte sich in ihrer kurzen Partie durchaus affektsicher, Gerhard Faulstich, Baß, gab dem Herodes holzschnittfeste Züge. Der Chor setzte mit fast verhaltenem Klang, rhyhtmisch jedoch immer wieder scharf akzentuiert, den irdischen und himmlichen Kommentar. Gelöster sang der Chor in der zweiten Hauptnummer des Abends, in Bachs Magnificat D-Dur. Zumal der Schlußchor klang so groß, madrigalisch beschwingt und dynamisch bewegt, wie man es sich nur wünschen mochte. Das Orchester, in voller barocker Besetzung, in voller barocker Besetzung, entfaltete – allen voran die Bläser – himmelherrschaftlichen Glanz. Problematisch ist jedoch durchweg die Phrasierung der Violinen: Das ewige weichwellige Legatospiel romantischer Herkunft widerspricht der barocken Spielweise gänzlich. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 14.12.1976]
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Das zweite Chorkonzert des Kölner Bach-Vereins im Gürzenich
[W.B.] - Das zweite Chorkonzert des Bach-Vereins im Gürzenich bot zwei prominente Beispiele barocker liturgischer Gebrauchsmusik. Rein konzertant genommen, büßen sie sicher einiges von ihrer Wirkung ein. Denn die „Historia der Geburt Jesu Christi“ von Heinrich Schütz besteht zu weiten Teilen aus gänzlich undramatisch psalmodierenden Evangelisten-Rezitativen. Und Bachs „Magnifikat“ gehört sicherlich nicht zu seinen allerstärksten geistlichen Kompositionen – zwischen einigermaßen prachtvollen Chören werden die knappen Aussagen des lateinischen Textes in das Schema von Mini-Arien gezwängt. In der „Historia“ waren die schlichten, weich und abgerundet gesungene Chöre in guter Balance mit dem kammermusikalischen Instrumentalensemble. Dirigent Rolf Reinhardt hielt hier im allgemeinen auf flüssigen Ablauf, ließ die lyrische Feierlichkeit nur selten ausufern. Mit souveräner epischer Prägnanz sang Theo Altmeyer die Evangelistenpartie. Die Stimme des Engels absolvierte Rosemarie Bühler mit etwas engem, nicht immer genug ausdrucksvollem Sopran. Recht gut gerieten auch die aus dem Chor besetzten Partien der Weisen aus dem Morgenlande und des Hohepriesterquartetts mit ihren instrumentalsolistischen Untermalungen. Bassist Gerhard Faulstich blieb dagegen in der Herodespartie zurückhaltend und blaß, ein Eindruck, der sich noch dadurch verstärkte, daß die beiden Trompeter ihre begleitenden Parts allzu kräftig bliesen.
Im „Magnifikat“ agierte der Chor des Bach-Vereins mit weniger Glück. Eingangs- und Schlußchor verlangen nach festlicher Vehemenz, hier vor allem machte es sich nachteilig bemerkbar, daß die Männerstimmen zahlenmäßig unterbesetzt sind. Auch war die Präzision und Intonationsgenauigkeit hier nicht ganz zureichend. Zudem dirigierte Reinhardt manches zu eckig, kamen die Einsätze für die etwas diffusen Streicher nicht immer unmißverständlich. Die Soli der beiden Flöten überzeugten mehr als das etwas pastose der Oboe. Gabriele Schnaut trat zu den genannten Gesangssolisten hinzu, sang mit etwas herbem, aber recht sicher geführtem Alt. [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 16.12.1976]
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