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Mozarts "Requiem" im Kölner Bach-Verein
[Hh.] - Hätten die Veranstalter nicht darum gebeten, von Beifallskundgebungen abzusehen, so hätte man wohl am Applaus ermessen können, was dieser Abend mit Mozarts „Requiem“ für den Kölner Bach-Verein bedeutete. Der Chor sang erstmalig in dieser Spielzeit unter seinem neuen Leiter Wolfgang Gönnenwein. Der Vergleich zu früheren Aufführungen des Chors drängt sich auf. Hatte Kurt Thomas diesen Chor zu einem ganz auf Reduktion des Ausdrucks abgestellten Instrument erzogen, das sich in einer sehr sachlich geklärten Distanz zum Werk befand, so zeigte sich unter der neuen Leitung schon im ersten Konzert ein ganz anderer Stil. Gönnenwein läßt den Chor aussingen, läßt ihm seine Dynamik, sein Espressivo. All das wird jedoch von Gönnenwein streng kontrolliert, gezügelt und gegenüber dem Orchester ausgeglichen. Die technische Präzision, mit der hier musiziert und gesungen wird, hindert die Ausführenden daran, die ausdrucksmäßige Seite der Interpretation über Gebühr zu akzentuieren. So offenbart die wie von einem Metronom kontrollierte exakte Rhythmik etwas der "Kyrie-Fuge" in ihrer Linearität die ganze Mozartsche Leidenschaftlichkeit der Bitte um Gottes Erbarmen. Die Ausgeglichenheit zwischen Chor und Orchester in den dramatischen Komplexen des "Dies irae" und die ebenmäßige, kein Rubato erlaubende Gestaltung der kantabel-lyrischen Partien verraten, daß hier ein Dirigent am Werk ist, der ein Gespür für das stilistisch Richtige und das technisch Notwendige in hohem Maß besitzt. Schon in dem vorangegangenen "Salve Regina" von Haydn hatte der Chor seine Aufgabe, Künder von Haydns versöhntem, unkompliziertem Gottvertrauen zu werden, überzeugend erfüllt. Das Solistenquartett bestand aus der alles überstrahlenden Sopranistin Ingeborg Reichelt, der dunkel und verhalten singenden Altistin Marga Schiml, dem in den Höhen sich zu forciert mühenden Tenor Nigels Rogers und dem anpassungsfähigen, dezenten Baß Wolfgang Anheisser. An der Orgel wirkte Wilhelm Krumbach, der mit Mozarts f-Moll-Fantasie KV 608 den Abend ein wenig zu wuchtig im Hinblick auf die Bestimmung des Werkes als Flötenuhrstück einleitete. Hohes Lob gebührt dem tadelsfrei begleitetenden Orchester: dem Collegium aureum. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 25.11.1969]
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Bach-Verein unter seinem neuen Dirigenten Wolfgang Gönnenwein Der Chor sang Mozart und Haydn geschmeidig und präzis
[Margo Schuchardt] - Das Publikum verzichtete auf jede Beifallsäußerung und verließ nach Mozarts Requiem schweigend den bis zum letzten Platz gefüllten Gürzenich. Eine "stille" Huldigung für den Bach-Verein und seinen neuen Dirigenten Wolfgang Gönnenwein, der sich als energiegeladener Musiker von hoher Intelligenz auswies. Mit geschwörender Gestik – die stabführende Linke zeichnet mit weitausholender Bewegung dynamische Kurven nach, während die Rechte Metrum und Einsatz klar übermittelt – setzt er seinen Willen durch. Das Ergebnis ist bewundernswert. Selten hat man die Sänger des Bach-Vereins so geschmeidig in der Gesangslinie, so transparent, so präzis in Deklamation und rhythmischen Durchformung gehört wie an diesem Abend.
Schon die chorische Aufführung von Haydns Marien-Antiphon "Salve Regina", ursprünglich für Solostimmen geschrieben, stand sicher in seiner Atmosphäre, die kirchliche Formenstrenge, liebliche Arienmelodik und weltoffene Gläubigkeit verbindet. Ein einziges Stück indes wie das "Lacrymosa" im Requiem zeigt den Abstand, der den Weltmann Haydn vom Genius Mozart trennt. Gönnenweins Mozart-Darstellung, hart und klar im Zuschnitt, setzte im "Dies irae" und dem "Rex tremendae majestatis" kräftige Akzente, gab dem "Confutatis" die volle Wucht des Dramatikers Mozart. Fast ergreifender aber die verhaltene Intensität, mit der er das "Recordare" und das von Ewigkeitsahnung beschattete "Lacrymosa" prägt. Den tonlich durchnuancierten instrumentalen Klanggrund für Chor und Solisten bot das Ensemble des Collegium aureum; bei Mozart besetzt mit neun vorzüglichen Bläsern, darunter zwei Bassetthörnern, 16 Streichern und dem Pauker, bei Haydn in reiner Streichbesetzung.
Das Vokalquartett vereinigte den unvergleichlich beseelten Sopran von Ingeborg Reichelt, den warm strömenden Alt von Marga Schiml, den edlen Baß Wolfgang Anheissers und dem stimmlich wenig befriedigenden Tenor Nigel Rogers. An der Orgel: Wilhelm Krumbach, ein versierter Spieler, der den Abend mit Mozarts majestätischer, für eine Flötenuhr komponierte f-Moll-Fantasie KV 608 einleitete – eine wenig glückliche Wahl, da dieses Stück auf der Gürzenich-Orgel kaum zu verwirklichen ist. [erschienen in: Kölner Stadt-Anzeiger, 25.11.1969]
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Konzert des Bach-Vereins
[Norbert Stich] – Sein Debut als künstlerischer Leiter des Kölner Bach-Vereins gab Wolfgang Gönnenwein beim ersten Chorkonzert im Gürzenich, nachdem er schon im vergangenen Jahr mit beachtlichem Erfolg ein Gastkonzert geleitet hatte.
Der Chor zeigte nach Abzug der Anfangsschwierigkeiten immerhin ein erstaunliches Maß an Mobilität, wobei das Salve Regina g-moll von Haydn weniger Möglichkeiten zur Entfaltung bot als das Requiem von Mozart. Das "Dies irae" blieb bei aller klanglichen Konzentration durchsichtig, ja nicht einmal ohne einen Zug von Abgeklärtheit. Zarte Differenziertheit zeigten vor allem Stücke wie der Introitus oder das "Lacrymosa", lichte Klarheit das "Hostias". Ein gutes Maß Exaktheit gab die Basis für dieses Gelingen.
Eine äußerst angenehme Neuerung besteht auch in der Verpflichtung des Collegium aureum für die Orchesterpartien. Genauigkeit in der Ausführung und Schlichtheit im Klang machen das Ensemble zu einem ausgesprochen angenehmen Begleitkörper. Unter den Vokalsolisten ragte Ingeborg Reichelt (Sopran) mit der bekannten kultivierten und glockenreinen Stimme hervor. Auch Marga Schiml (Alt) machte keinen schlechten Eindruck; Wolfgang Anheisser scheint gut veranlagt, zeigte aber wenig Einfühlungsvermögen, während der Tenor in jeder Beziehung unter dem Niveau der Aufführung blieb.
Wilhelm Krumbach (Orgel) spielte zu Beginn die Fantasie f-moll von Mozart, fand aber nicht den rechten Kontakt zu der an sich ungünstig angelegten Orgel. Aber für sich wirkte der dauernde Registerwechsel, auch noch teilweise unpräzise ausgeführt, maniriert und daher fehl am Platze. Es wäre wohl gut, auch bei derlei Beigaben auf einheitliche künstlerische Qualität ein Auge zu haben. [erschienen in: NRZ, 05.12.1969]
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Konzerte vom 11./12.03.1969 Konzerte vom 09./10.12.1969
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