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Der Bach-Verein mit der Johannes-Passion
[spe] - Um zwei dramatische Stücke aus früheren Fassungen vermehrt, erklang Bachs Johannes-Passion in der Gürzenich-Aufführung des Kölner Bach-Vereins durchaus farbig, als überwiegend diesseitige Verkündigung. Rolf Reinhardt wählte die Tempi zügig, hielt auf weitgehende Profilierung innerhalb des großen Klangkörpers und legte die Kontraste deutlich aus. So zeichnete der Bach-Chor spitz die zischelnde Hetze der Mengen. Nur im Eingangschor traten noch Einzelkämpfer hervor, auch erschien hier die Koordination mit dem Orchester, zumal in der Lautstärkenverteilung, noch nicht ausbalanciert genug. Die Choräle waren im Gegenzug mehr als bloß retardierende Momente; sehr homogen im Klang, enthielten sie sich nicht eines je angemessenen Gefühlsausdrucks und nahmen so innerhalb des Geschehens ihr kommentierendes und meditierendes Eigenleben wahr.
Karl Markus spiegelte in seinem überlegenen, prägnanten Evangelistenvortrag ebenso die Objektivität und Sachlichkeit des Schriftgelehrten Johannes wie die innere Beteiligung des Zeugen am Passionsverlauf; die Empörung schrie förmlich aus ihm heraus: "Barrabas aber war ein Mörder". Vehemenz zeigte, trotz einiger nicht sofort präsenter Spitzentöne, seine Petrus-Arie "Zerschmettert mich", die auch dem Orchester hohe Wendigkeit abverlangte, korrespondierend zur (gleichfalls eingefügten Baßarie) "Himmel reiße". Flexibel und rein, mit fast instrumental geführtem Sopran gestaltete Helen Keller die frohe Erregung in ihrer Arie "Ich folge dir", während Helrun Gardow mit vibratoreichem, etwas kehligem Alt (bei nicht guter Textverständlichkeit) in "Es ist vollbracht" eine Betrachtung voller Ruhe gelang.
Die Christusworte fügte Max van Egmond mit Würde ein, doch auch mit einer Sour Bewegtheit. Dem Gesamtkonzept vorzüglich entsprechend, stand ihm ein sehr menschlich gezeichneter Pilatus gegenüber; Martin Egel veranschaulichte facettenreich die Skrupellosigkeit wie auch die Angst des Mächtigen. [erschienen in: Kölner Stadtanzeiger, 03.04.1981]
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