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h-Moll-Messe des Bach-Vereins
[Curt J. Diederichs] – Es müssen zur Passionszeit nicht immer die Passionen sein, sagte sich der Kölner Bach-Verein mit Recht, als er Bachs h-Moll-Messe für dieses Jahr ins Programm nahm. Diese Messe hört man längst nicht so oft, obwohl sie ein Gipfelwerk der Musica sacra ist. Vielleicht wird das dem Hörer nicht voll bewußt, wenn diese Bachsche Vertonung des Mess-Ordinariums in so akademisch-getragener Weise dargeboten wie unter Rolf Reinhardts Stabführung im Gürzenich (mit Chor und Orchester des Bach-Vereins). Ohne expressive Auslegungen à la Karl Richter das Wort reden zu wollen: Reinhardt verfällt ins andere Extrem und entgeht deshalb bei ruhigeren Passagen nicht immer der Gefahr, gepflegte Langeweile zu verbreiten.
Die etwas schleppenden Tempi beim Kyrie und über weite Strecken im Gloria wie im Credo waren für den Chor gewiß ein Labsal: Er konnte die Töne behutsam ansetzen und schöne Legatobögen aussingen. Überdies schonte er seine Kräfte für die dramatischen Teile mit teilweise kunstvollem polyphonen Satz, die angemessen gelangen. Auch das in mittlerer Besetzung zusammengestellte Orchester versah seinen Part mit Umsicht. Den Gesangssolisten fallen in der h-Moll-Messe anspruchsvolle Aufgaben zu, die von den beiden Männerstimmen auch glänzend gemeistert wurden. Anton Trommelen sang zwar die Benedictus-Arie etwas langsam, aber das lag weniger an ihm als an der Tempowahl des Dirigenten. Doch sein Tenor war im Timbre wie in der instrumentalen Führung prädestiniert für diesen Part. Auch der junge Bassist Manfred Volz hat die ideale Stimmfärbung und weiß musikalisch hervorragend zu gestalten. Maureen Lehane (Alt) hingegen hatte Schwierigkeiten mit dem Entwickeln und Durchhalten musikalischer Linien, was bei Bach aber unerläßlich ist. Die Sopranistin Reingard Didusch konnte ihre anmutige Stimme nur bei zwei Duetten zur Wirkung bringen. Wenn man Rolf Reinhardts Stil mag, war es eine wohltemperierte Aufführung, die mit anhaltendem Beifall aufgenommen wurde. Eine Anmerkung zum Schluß: Die Mode, den Cembalopart im Continuo durch die Orgel wahrnehmen zu lassen, wird durch häufiges Wiederholen nicht stilgerecht. [erschienen in: Kölnische Rundschau, 06.04.1976]
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Rolf Reinhardt enttäuschte mit der H-Moll-Messe im Gürzenich
[Gr] - Erst nach der Pause erreichte Rolf Reinhardts Aufführung von Bachs H-Moll-Messe im 3. Chorkonzert des Bach-Vereins im Gürzenich ein gewisses Format, „Kyrie“ und „Gloria“ hatten kaum nachhaltige Eindrücke hinterlassen. An Werkkenntnis und musikalischem Temperament fehlt es Reinhardt gewiß nicht, wohl aber an einer Schlagtechnik, die unmißverständlich Zeichengebung mit Ausdruckscharakteristika zu verbinden weiß, am sicheren Tempogefühl und am Klangsinn. Vor allem im ersten Teil des Abends war die Koordination des Apparates unzureichend.
Zudem scheint Reinhardt kein eigentliches stilistisches Konzept zu haben, er ist weder ein Historist, noch ein Strukturalist oder ein Romantizist der Bach-Interpretation. Das müßte grundsätzlich kein Manko sein, aber er setzt sich zwischen alle Stühle, bleibt unentschieden, verwaschen. Darüber hinaus fehlt es ganz offenbar an einer kontinuierlichen Schulung der immer engagierten und häufig stimmbegabten Chorsänger: Im Sopran und Alt gibt es Höhenschwierigkeiten; Koloraturen werden mit zuviel Atem gesungen, weswegen bei langen Linien die Spannung zwangsläufig absinkt. Die mangelnde Qualität des Chorklangs schlug in einer Hinsicht für die Gesamtaufführung ins Positive um: Die Integration der Chor- und Solo-Stücke gelang überzeugender als gewohnt. Reingard Didusch ließ einen wohllautenden Sopran hören, tendierte aber wie die übrigen Solisten in der Höhe zum Forcieren. Die Altistin Maureen Lehane hat zwar ihr edles Timbre konserviert, ihre technischen Probleme aber leider nicht bewältigt. Der Tenor Anton Trommelen hatte das Pech, bei seiner „Benedictus“-Arie einen Ausnahme-Flötisten wie Hans-Jürgen Möhring attachiert zu bekommen: Das Stück fand im Flöten-Part statt. Der talentierte, noch junge Bassist Manfred Volz ist ein wenig tiefenschwach, imponierte aber durch Stimmkultur. Am meisten gefiel der instrumentale Teil des Abends: Nur die Konzertmeisterin Lynn Blakslee geigte stilistisch etwas problematisch. [erschienen in: Kölner-Stadtanzeiger, 22.04.1976]
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Konzert vom 10.12.1975 Konzert vom 13.10.1976
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