KONZERT VOM 02.02.1939

[Walther Jacobs] - Abermals fand der Kölner Bach-Verein einen Weg, über sein engeres Aufgabengebiet hinauszuschreiten, um musikalisch und geisteswissenschaftlich seinen kulturellen Kreis zu vergrößern. Für den Kammerchor des Bach-Vereins war es außerdem notwendig, die sorgsame A-cappella-Erziehung, die ihm Prof. Michael Schneider angedeihen läßt, in der alten Madrigalkunst zu erproben. Im Kasinosaal wurde daher ein altitalienischer Abend veranstaltet, an dem zu gleichen Teilen der Kammerchor und das dem Bach-Verein verbundene Kölner Kammer-Sinfonie-Orchester Erich Kraacks beteiligt waren. Von Gesualdo di Venosa, von Vecchi und Monteverdi hörte man im italienischen Vortrag fünfstimmige Madrigale, vier- und fünstimmige von Marenzo, Donati und Gastoldi in der Übersetzung von Peter Cornelius. Alles erlesene Stücke der Literatur, die in sauberster Stimmführung und Ausgeglichenheit der Gruppen, dazu in Klang und Geist das Können des Chors erwiesen. Es ist zu begrüßen, daß die A-cappella-Kunst in Köln, außerhalb des großen Gürzenichchors und der Männergesangvereine, im Bach-Verein eine solche Pflegestätte gefunden hat. Prof. Michael Schneider, der seine Erziehung ebenfalls auf Grund des absoluten Gehörs und ohne Instruments aufbaut, hat hervorragende Leistungen erzielt in der Kultur und Beweglichkeit der Stimmen. Die Hörer waren besonders entzückt von dem leichten Vortrag der Villanella Donatis und des "Amor im Rachen" von Gastoldi, so daß wiederholt werden mußte ... [erschienen in: Stadt-Anzeiger, 03.02.1939]



[J. Baumhof] - Das letzte Konzert des Bach-Vereins Köln machte mit einer Auswahl altitalienischer Chor- und Orchestermusik bekannt, die als bester Ausdruck der in der Renaissance in Italien geschaffenen "Nuove Musiche" zu gelten hat. Satte Klangentfaltung, von der Melodie bestimmter Stil, in seiner geistigen Haltung dem allgemeinen Kunstbild der Renaissance verpflichtet, geben dieser Musik heute noch ihre lebendige Eigenart, mag auch die Bearbeitung einer im wesentlichen sicher auf dem Gegensatz von Streicher und Bläser aufgebauten Musik ... manches von der ursprünglichen Wirkung verloren ...
Die Vokalmusik gab einen Überblick über die Madrigalkunst jener Zeit mit bezeichnenden Hochwerken Gesualdos, Vecchis, unter denen auch wieder Monteverdis und Marenzios koloristisch so stark empfundene Madrigale neben den mehr bekannten von Donati und Gastildi hervorragten. Der Kammerchor des Bach-Vereins unter Leitung von Prof. M. Schneider schuf den Werken eine vollendete Wiedergabe in der Einheit musikalischer Gestaltung und stimmlicher Ausführung, die starken Beifall auslöste. [erschienen in: Westdeutscher Beobachter, 07.02.1939]



Altitalienische Chor- und Orchestermusik brachte der Kölner Bach-Verein bei seiner 5. Winterveranstaltung zur Aufführung. Mit gepflegtem und klangedlem Chorgeist sang der Kammerchor des Bachvereins unter der inspirierenden und mit gesundem musikalischem Empfinden gestalteten Leitung von Professor Michael Schneider Madrigale alter italienischer Meister und fand für diese Werke, ihrer Stimmung und ihrem Stilausdruck nach, eine eindrucksvolle und prägnante Wiedergabe. [erschienen in: Kölnische Volkszeitung, 09.02.1939]



Sozusagen an die Wiege moderner europäischer Kunstmusik führte ein Konzert des Kölner Bach-Vereins mit altitalienischer Musik für Chor und Orchester. Es ist ebenso begrüßens- wie dankenswert, daß der Bachverein nicht nur der Kunst des großen Namenspatrons immer wieder in mustergültigen Konzerten dient, sondern auch die musikalische Umwelt des Meisters aufzuhellen und die Quellen seines Schaffens aufzudecken sucht. Wieviel von der alt-italienischen Madrigal- und Orchesterkunst in das Schaffen Bachs eingegangen ist, kann mit wenigen Worten nicht belegt werden. Nicht nur die Kunst eines Vivaldi ist bestimmend für den deutschen Meister gewesen, sondern auch jene madrigalische Chorkunst, deren Blüte zwar weit vor Bachs Zeit liegt, die aber trotzdem in Italien wie in Deutschland weitergewirkt hat. Auf die formalen wie inhaltlichen Eigentümlichkeiten dieser altitalienischen Chor- und Orchesterkunst, auf Gehalt und Gestalt dieser alten Madrigale, Kanzonen, Villanellen und Pastorellen kann allerdings hier nicht eingegangen werden. Man wird schon zu den Lehrbüchern der Musikgeschichte greifen müssen, wenn man sich ein klares Bild verschaffen will. Umso begrüßenswerter diese sozusagen musikgeschichtliche Exkursion des Kölner Bachvereins, die gleichwohl nicht bei der trockenen Doktrin stehen blieb (es sei denn in den Programmerläuterungen), sondern jene alte Zeit, Kunst und Musikübung zu starker und eindringlicher Wirkung kommen ließ., so daß der leider nicht sonderlich große Hörerkreis im Saal des Kasinos ein klares und einprägsames Bild dieser alten italienischen Musik und ihrer formalen Struktur gewinnen konnte.

Von den alten Meisterwerken dieser vokalen Kammerkunst eines Gesualdo da Venosa, Horatio Vecchi, Monteverdi, Gastoldi, Donati und Marenzio ist nicht nur dieses und jenes Stück auf unsere Zeit gekommen, sondern auch, wie der Abend ergab, unmittelbarster Wirkungen fähig. Besonders bei einer alle künstlerischen Voraussetzungen des A-cappella-Singens so restlos erfüllenden Wiedergabe wie die durch den Kammerchor des Bachvereins unter Leitung von Professor Michael Schneider, den man als Interpret dieser geistvollen musikalischen Gesellschaftskunst Italiens von einer neuen und so bedeutenden Seite kennen lernte, daß man auch in dieser Blickrichtung wohl noch viel von ihm und seinem als Muster eines Kammerchors darstellenden Chor erwarten kann. Zu verstehen, daß ein Stück wie Gastoldis "Amor im Nachen" wiederholt werden mußte ... [Der Neue Tag, 07.02.1939]




Konzert-Chronik IV
Konzert vom November 1937