UNSER CHOR




Interviews

"Der Musik dienen, ohne an ihr zu verdienen" (Köln-Bonner Musikkalender, Nr. 218, Mai 2007)
"Notenpauken ist längst abgeschafft" (Kölnische Rundschau, Mai 2006)



Pressestimmen

"... Im Alten Pfandhaus feierte der Bach-Verein Köln, er zeigte sich als vielseitiger Kammerchor mit Präzision, Klangfülle, A-cappella-Qualitäten und gleich 30 eigenen Solisten." (2011)

"... leidenschaftlich in der Stimmung, klar in der Struktur, perfekt in der Technik, betörend im Klang." (2011)

"... Bestechend gerieten den Sängern des Bach-Vereins, die durch den Jugendchor der Bonner Lukaskirche verstärkt wurden, die heiklen Intonationen des Lamento." (2011)


"... Seinen Chor hatte Neuhoff freilich glänzend eingestellt und vorbereitet. Er sang intonationsrein und stimmlich ausgereift, die Arbeit und Sorgfalt, die man hier aufgewendet hatte, war durchweg zu hören." (2010)

"... Verblüffend dabei die Durchhörbarkeit und Textverständlichkeit selbst komplexester Chorpassagen, makellos in Intonation wie Pünktlichkeit." (2010)


"... Bei den Chören blieb hinsichtlich Intonation, Tonfülle und vokaler Noblesse kein Wunsch offen." (2009)

"... Das in der Wirkung beklemmende und in der Ausführung meisterhafte Konzert vereinigte die drei Chöre, denen Thomas Neuhoff ... vorsteht. Der Gesamtklang des solcherart riesigen neuen Ensembles war, bei aller momentanen Wucht, durchsichtig, rund und facettenreich. Ausdrucksmächtig, stimmgewandt und charakteristisch wurden jene Schreckensbilder entworfen, die Anlass der Komposition waren ... " (2009)

"... Die archaische Tonsprache verfehlte ihre Wirkung auch bei dieser Aufführung nicht. Die beiden Chöre sangen prachtvoll und mit angemessener Leidenschaft ..." (2009)

"... Und innerhalb kürzester Zeit wurden das hohe musikalische Niveau, die technische und musikalische Perfektion des Bach-Vereins hörbar. Sowohl das elfköpfige Vokalensemble als auch der kraftvolle Chor des Vereins zeigten unter dem energischen Thomas Neuhoff erneut ihre ganze Strahlkraft und Präzision ..." (2008)

" ... Die 55 Sängerinnen und Sänger des ausgewogen besetzten Chors gewährten in der J.S. Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden" in kompakter Vierstimmigkeit einen ersten Eindruck ihrer Möglichkeiten. Flockig liefen die Themen von Dirigent Thomas Neuhoff geführt durch die Stimmen. Beweglich perlten die Figuren und breitausladend war die Dynamik ..." (2008)

"... Ganz modern und wagemutig tritt der Bach-Verein Köln immer wieder in Erscheinung ..." (2008)

"... Dank der mustergültigen Artikulation und sängerischen Präsenz gerade des Chores ..., dank der Aufschlüsselung des Ganzen vom vertonten Wort her, gelang eine deutliche, sinnfällige, in vielen Momenten packende und auch zu Herzen gehende Interpretation ..." (2008)

"... Wer diese berühmten, mit Kniffligkeiten gespickten Vokalwerke so gut singen kann wie der Bach-Verein, der darf sich schon Meisterchor nennen ..." (2008)

"... Zwei der großen doppelchörigen Motetten Bachs, "Fürchte dich nicht, ich bin bei dir" und zum Ende "Singet dem Herrn ein neues Lied" rückten die Sänger in die Nähe des Rias-Kammerchores. Stimmlich ohne Schwankungen, textlich verständlich und in sehr guter dynamischer Abstufung, stellten sie beispielgebend Bachs Motettenkunst dar ..." (2007)

"... Alle Jahre wieder sorgt der Bach-Verein Köln für kleine Sensationen ..." (2007)

"Sternstunde des Kölner Chorgesangs. Thomas Neuhoff dirigierte das 'Buch mit sieben Siegeln'" (2007)

" ... Die sorgfältige Phrasierung der Fugenthemen zeugt von harter vorangegangener Arbeit, die sich indes in zweite Natur aufgelöst zu haben scheint ..." (2006)

" ... Wohlgemerkt: Es handelt sich ja nicht um einen Kammerchor, bei dem man blitzblanke Koloraturen und Spitzentöne als selbstverständlich voraussetzt. Es ist vielmehr eine auch bei den neuralgischen Tenören opulent besetzte Schar, die da geschmeidig auf Takt-, Tempo- und Ausdruckswechsel reagiert, die mit gelassenem Jubel etwa die Satzschlüsse von 'Gloria' und 'Credo' absolviert, die aber auch - im 'Qui tollis' und im 'Et incarnatus est' - einen mystisch-schwebenden Grundklang zu erzeugen versteht ..." (2006)

" ... Vor allem der Chor erwies dem Namenspatron nicht nur die gebührende Ehre - er präsentiert sich überhaupt im Jubiläumsjahr ... in glänzender Verfassung. Das geht vor allem auf das Konto seines Leiters Thomas Neuhoff, der die Sängerschar deutliche verjüngt und das Niveau auf einen mindestens halbprofessionellen Standard gebracht hat ..." (2006)

"... So konnte der Chor manchmal ein Pianissimo verwirklichen, das süchtig machte ..."


"... Wo wesentlich größere Heerscharen schon anfangen zu 'schreien', da genügt dem Chor des Bach-Vereins noch ein flockiges Mezzopiano ..."

"... Das Ergebnis ist mustergültige Artikulation und eine Gesangskultur, die auch im wildesten Jubel noch alle musikalischen Linien transparent beleuchten ..."

" ... Sauber gedrechselte chromatische Windungen, markant herausgemeißelte Akzente, ein klarer Chorklang und eine optimale, an rhetorischen Maßgaben orientierte Sprachverständlichkeit gehören zu den Vorzügen des Chores ..."

" ... Ihr Singen wirkt wie aus einem Guss, sehr lebendig, fast fröhlich und farbenreich ..." (2005)

" ... ein stimmlich und ausdrucksmäßig ausgezeichnet geschultes Ensemble ..." (2005)






"Notenpauken ist längst abgeschafft"

[Olaf Weiden] - "Damit die unermesslichen geistigen und religiösen Werke, die Bach uns hinterlassen hat, erschlossen und weiten Kreisen zugänglich gemacht werden", so wurde 1931 die Kernaufgabe des damals gegründeten Kölner Bach-Vereins formuliert. Das liegt jetzt 75 Jahre zurück, und der sehr lebendige Chor feiert diesen Geburtstag mit Festkonzert (h-Moll-Messe am 7. Mai 11 Uhr, Philharmonie) und Festschrift. Letztere vollzieht die Geschichte dieses Vereins nach, in der Namne wie Kurt Thomas und Hermann Schroeder fallen, Dirigenten, Lehrer und Komponisten mit großer Nachwirkung.
Und die Geschichte geht weiter: Thomas Neuhoff, Jahrgang 1957, bekleidet seit vier Jahren das Amt des künstlerischen Leiters. "Künstlerisch haben wir einen Umbruch erlebt", schwärmt er über die neuesten Entwicklungen. "Der Chor hat sich total verändert. Es ist ein ganz junges Ensemble aus 60 Stimmen entstanden, mit stark besetzten Männerstimmen, ein Ensemble auf dem Weg in eine semiprofessionelle Richtung." Das heißt, die Werke werden zuhaus vorbereitet, und in den Proben werden Ergebnisse zusammengetragen. Notenpauken in der Probe wurde völlig abgeschafft. "Auf einem so hohen Niveau macht das Musizieren natürlich noch mehr Spaß", meint Neuhoff. Zudem nimmt ein Großteil der Sänger nebenbei privat Gesangunterricht. Das schlägt sich radikal im Chorklang nieder. Neuhoff: "Ich habe das Gefühl, das wir uns sehr positiv reformiert haben!"

Symbolisch für diese Bewegung steht auch Martin Füg (39), seit zwei Jahren Vorsitzender: Er hat u.a. ein ganz neues optisches Erscheinungsbild des Bach-Vereins in die Öffentlichkeit gebracht. Das Layout der Programme und der Plakate wurde grundlegend modernisiert und professionalisiert. Füg: "In einer Stadt wie Köln mit einer solchen Chordichte müssen wir aktiv das Publikum stets neu gewinnen." Das gilt auch für das Ensemble. Rund 75% der Stimmen entstammen der Ära Neuhoff, Studenten und Berufsanfänger mit einer Vision: Wir können im Bachverein eine neue Renaissance erleben. Auch die Programmpolitik ist sehr wichtig. Neuhoff: "Hier bemühen wir uns um neue Hörerschichten, ganz aktuell in einem musikpädagogischen PRojekt mit Kindern als Sänger und Instrumentalisten bei einer Britten-Oper."

Und auch die Präsentation in den neuen Medien drängt. Seit vielen Jahren gibt es einen Internetauftritt, der unglaublich häufig besucht wird. Solistenbiografien, Kritiken, die Konzerte seit 1931 - die Seite ist hervorragend gepflegt und sprengt sogar noch den Rahmen der schon sehr ausführlichen Festschrift. Diese ist gleichzeitig das Programmheft für das Festkonzert am Sonntag, ein Konzert auf höchstem Niveau. Neben Beethovens Missa Solemnis ist Bachs h-Moll-Messe wohl das sängerisch anspruchsvollste Werk. Womit wir wieder bei den Urzielen des Bach-Vereins angelangt wären. Neuhoff: "Die Musik Bachs ist natürlich von einer spirituellen Kraft, mit der sich Menschen auf einer Ebene ansprechen lassen, die es verbal nicht gibt. Da ist die Musik Gold wert!" [erschienen in: Kölnische Rundschau, 05.05.2006]






"Der Musik dienen, ohne an ihr zu verdienen"

Zehn Jahre lang leitete Martin Füg ein privates Theater in Franken, bevor er in seine rheinische Heimat zurückkehrte. Er ist Vorsitzender des Kölner Bach-Vereins, der schon auf ein dreiviertel Jahrhundert des Bestehens zurück blickt und sich einen festen Platz in der Kölner Chorszene geschaffen hat. Über herausragende Projekte des Chores führten wir mit ihm das folgende Gespräch:

Mk: Herr Füg, wie ordnet sich Ihrer Ansicht nach der Bach-Verein Köln, dessen Vorsitzender Sie sind, in die reiche und vielfältig schattierte Kölner Chorszene ein?

F: Am besten findet sich die Antwort darauf, wenn wir einen Blick auf die inzwischen 76 Jahre dauernde Existenz dieses Chores werfen. Er wurde 1931 gegründet mit dem vorrangigen Ziel, auch die weniger bekannten Werke J. S. Bachs, etwa seine zahlreichen Kantaten, im Musikleben Kölns präsenter zu machen. Um aber ein möglichst breites Publikum zu erreichen, hat der Bach-Verein Köln auch die „großen“ Werke Bachs, also z.B. die Passionen und die h-Moll-Messe, regelmäßig aufgeführt und sich keineswegs auf dessen Musik allein beschränkt, sondern immer auch andere Komponisten berücksichtigt. Was seine Stellung innerhalb der Kölner Szene anbelangt, so war diese durchaus einem starken Wandel unterworfen, und das hing von den äußeren, sehr wechselhaften Umständen ebenso ab wie von den Persönlichkeiten der verschiedenen Dirigenten, unter denen der Chor gesungen hat.

Mk: Das eine sind äußere Zwänge, etwa wirtschaftlicher Natur; die andere Seite sind künstlerische „Rahmenbedingungen“...

F: So könnte man es nennen. Der Bach-Verein hatte lange Zeit eine eigene Konzertabonnementreihe, die aber in den späten Neunziger Jahren aus finanziellen Gründen wieder eingestellt werden musste. Im Rahmen dieser Reihe wurden auch Künstler, zum Beispiel auswärtige Organisten oder Ensembles eingeladen. Seit der Vereinsreform 1999 leisten wir uns in Anlehnung an diese Tradition auch jetzt noch hin und wieder ein solches „Gastkonzert“, aber es ist heute eher zur Ausnahme geworden. Heute stehen die Konzerte des vereinseigenen Chors eindeutig im Mittelpunkt und bestimmen nachhaltig das Profil des Bach-Vereins Köln.

Mk: Und wie steht es mit dem erwähnten Einfluss der Dirigenten?

F: Es leuchtet ein, dass gerade ein in erster Linie aus Amateuren bestehendes Ensemble, wie es der Bach-Verein ja ist, durch den Dirigenten sehr stark geprägt und beeinflusst wird. Es gibt daher glänzende und auch weniger glänzende Phasen in der Geschichte des Chores, die übrigens im vorigen Jahr anlässlich seines 75er-Jubiläums erstmals aufgearbeitet und in einer Festschrift dargestellt wurde. Da lässt sich schnell erkennen, dass sich der Bach-Verein bei aller Traditionspflege im Laufe der Jahre immer wieder quasi neu erfunden hat.

Mk: Kann man denn aus dem Blick auf die Geschichte des Bach-Vereins die erwähnten „Wandlungen“ erkennen?

F: Durchaus: Während etwa in den vorigen Jahrzehnten die größeren Werke dominierten, haben wir uns in den letzten Jahren wieder verstärkt kleineren Besetzungen zugewandt und pflegen jetzt auch das reine A-cappella-Repertoire. Und damit, so glaube ich, haben wir uns im Kreis der Kölner Konzertchöre, die sonst entweder nur das „große“ oder das Kammer-Repertoire pflegen, recht gut aufgestellt und ein eigenes, unverwechselbares Profil bekommen.

Mk: Ist das auch ein Verdienst von Thomas Neuhoff, der seit fünf Jahren den Bach-Verein leitet?

F: Ganz klar! Und seiner immensen Tatkraft, seinem künstlerischen Anspruch und nicht zuletzt seinem großen pädagogischen Geschick hat es der Chor auch zu verdanken, dass er inzwischen viele neue und auch junge Mitglieder hinzugewonnen hat. Günstig gestaltet sich auch die gelegentliche Kooperation mit dem Philharmonischen Chor Bonn, den Neuhoff ebenfalls leitet. Nur so können wir ein so großes Projekt wie jetzt „Das Buch mit den sieben Siegeln“ von Franz Schmidt überhaupt durchführen. Dieses Werk erfordert eine große Besetzung, die der Chor des Bach-Vereins Köln allein gar nicht aufbringen könnte und auch auf Dauer nicht wollte. Kooperationen dieser Art ermöglichen auch uns zuweilen, jenseits der sonst gepflegten Ambitionen als semiprofessioneller Kammerchor ein großes Oratorium zur Aufführung zu bringen.

Mk: Vor einigen Jahren hat Neuhoff dieses Werk schon einmal in Bonn aufgeführt, damals in einer Kirche, deren enormer Nachhall den Klang natürlich stützt, aber auch die Gefahr des „Verwaschens“ besitzt.

F: Davor sind wir in der Philharmonie mit ihrer vergleichsweise trockenen Akustik ziemlich sicher, die zudem den Vorteil besitzt, dass sich die Mitwirkenden auf dem Podium gegenseitig sehr gut hören und so aufeinander reagieren können. Das ist für solch ein komplexes Werk sehr wichtig.

Mk: Der Komponist Franz Schmidt, im gleichen Jahr (1874) wie sein österreichischer Landsmann Arnold Schönberg geboren, hat sich ja im Gegensatz zu diesem nie von der „Tonalität“ gelöst, was seiner Musik den unbestreitbaren Vorzug verleiht, stets gut „anhörbar“ zu sein, auch wenn es in seiner Vertonung der Apokalypse, diesem Sujet entsprechend, stellenweise recht dissonant zugeht, ...

F: ..., aber für die Musiker und speziell den Chor immer gut „singbar“ bleibt – auch wenn der Schwierigkeitsgrad z.B. der berühmten „Wasserfuge“ einen semiprofessionellen Chor streckenweise an seine Grenzen führt. Faszinierend ist auf jeden Fall die Verbindung extremer, spätromantischer Chromatik mit dem Ausreizen der Tonalität bis an ihre Grenze und der überaus kunstvollen strengen Benutzung barocker Formen wie der Fuge. Das Werk entspricht unserem Bestreben, in unseren Programmen ein charakteristisches Profil zu zeigen, das sich vom Gängigen abhebt. Hierzu gehört auch unsere Reihe „Bach plus“, in der wir in lockerer Folge Werke von Bach solchen von Komponisten aus anderen Epochen gegenüberstellen.

Mk: Sie sprachen von neuen Mitgliedern, was ja sehr erfreulich ist, denn allenthalben spürt man ja ein nachlassendes Interesse an wertvoller Musik ...

F: Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang unsere Schüler-Projekte, die wir mit Brittens „Noah und die Flut“ begonnen haben und im nächsten Jahr mit der in Theresienstadt entstandenen Kinderoper „Brundibár“ von Hans Krása fortsetzen. Hier werden in Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern die Kinder an die Musik herangeführt und erleben gleichsam hautnah, wie sie entsteht, und es ist wunderbar anzusehen und anzuhören, mit welcher Begeisterung sie mitgehen. Hierbei gewinnen wir unsere treuesten Zuhörer, aber auch Mitwirkende der Zukunft. Auch bei manchen Eltern wird so deren „Schwellenangst“ vor der Klassik im Allgemeinen und Konzerten im Besonderen überwunden.

Mk: Gibt es weitere Aktivitäten des Bach-Vereins in nächster Zeit?

F: Vor allem freuen wir uns auf eine Konzertreise nach Weimar, Potsdam und Berlin im Herbst mit unserem Programm „Bach+ Brahms“, das wir zuvor bei der diesjährigen "Kölner Musiknacht" vorstellen werden.

Mk: Hierzu sei Ihnen und dem Bach-Verein Köln viel Erfolg gewünscht!

[erschienen in: Köln-Bonner Musikkalender Nr. 218, Mai 2007]